Via de la Plata

4.Etappe: Almaden de la Plata – El Real de la Jara (15 km )

Was für ein Kontrast: Gestern sommerliches Wetter, heute stroemender Regen zum Start. Und so sollte es den ganzen Tag bleiben. Ein Blick auf die Wetteraussichten lässt nichts Gutes ahnen: Die nächsten 10 Tage Regen.Nur morgen etwas trockener. In der Nacht habe ich etwas gefroren, hatte probiert,nur mit Schlafsackinlett und Decke auszukommen.Ist aber zu wenig.Das Frühstück war eher einseitig.Gestern war ich noch einkaufen und besorgte mir ein Fladenbrot,dachte ich wenigstens.Schon beim Auspacken merkte ich,da stimmt was nicht.Es sah zwar aus wie Fladenbrot, schmeckte aber wie eine Zimtschnecke. Den Aufkleber konnte ich nicht lesen.Den Rest gab’s also heute morgen.Also rein in die Regenmontur und ab ging’s.Heute stand nur eine kurze Etappe von 15 km auf dem Plan.Wie eigentlich immer ging es rauf und runter auf matschigen Wegen.

die ersten schwarzen Schweine
Dauerregen

Im Regen laufen macht eigentlich keinen Spaß. Durch die Anstiege kam ich ins Schwitzen und war dann innen und außen nass.Ausserdem war die Sicht schlecht. Begegnungen gab es mit Tieren:Hunde ( im Zwinger und freilaufend), Stiere, Schweine,Ziegen und auch ein totes Schaf

Gegen Mittag komme ich in El Real de la Jara an und suche das Hostal Encina. Dort angekommen, beginnt die Prozedur: Man muss anrufen, dann kommt jemand. Klingt einfach, ist es aber nicht. Ich verstehe, das es ein Zimmer und Musik gibt und ich eine E-Mail schreiben soll.Dann kann ich dem guten Mann klarmachen, das ich vor dem Eingang stehe. Er will in zehn Minuten kommen.In der Wartezeit hadere ich wieder mit mir selbst, dass ich nicht ein bisschen Spanisch gelernt habe.Nur ein paar Brocken.Aber alles klappt, für 25€ kriege ich ein Doppelzimmer mit Bad und Heizung.Das ist wichtig, denn meine Sachen müssen trocknen und draussen sind’s 10 Grad.

Trotz des Wetters ist meine Stimmung ganz gut, ich bin ordentlich ausgerüstet und mit Regen war zu rechnen.Irgendwo muss das Grün ja herkommen.Auf dem Weg heute wieder ein Denkmal, diesmal für einen der „Väter“ der Via de la Plata.Er ist mit Mitte Fünfzig beim Malen der gelben Pfeile am Herzinfarkt verstorben. Ausserdem habe ich die Holländerin endlich nach ihrem Namen gefragt.Sie heißt Irma.

Das mit der Musik klärte sich dann per Sprachapp auf.Hier ist eine Bar angeschlossen und es gibt heute Abend Musik.Na,dann kann ja nichts mehr schief gehen.

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3.Etappe: Castilblanco – Almaden de la Plata ( 29 km )

7.30 Uhr, 8 Grad, windstill. Die heutige Etappe besteht aus zwei völlig gegensätzlichen Teilen. Der erste Abschnitt: 16 km auf der Straße, mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.

Die Straße verläuft in einem ständigen Auf und Ab, gegen 11 Uhr bin ich am Eingang zum Naturpark Sierra Norte. Jetzt beginnt eine wunderschöne Landschaft mit Steineichenwälder und guten Wegen.Ausser den paar Pilgern ist niemand hier.

Ich mache Mittagspause, luefte meine Füße und esse ein Schinkenbrötchen. Die Lieferanten habe ich grunzen gehört, aber noch keins gesehen.Nach 27 km geht es noch mal steil hoch zum Kalvarienberg.

Ist steiler als es aussieht

Nicht alle schaffen es, das ist das erste Kreuz, aber nicht das einzige.

Oben angekommen, hat man einen herrlichen Blick über die hügelige Landschaft. Nach einem Kilometer bergab ist Almaden erreicht. Die privaten Herbergen sind dicht, der Supermarkt zu, es ist hier tote Hose. Ich habe Hunger, aber in den Bars oder Restaurants, wenn sie denn offenhaben, braucht man vor 7 oder 8 Uhr nicht auftauchen.Uebernachten tue ich wie alle anderen Pilger auch in der Albuerge municipal, eine Art Jugendherberge.Das Wetter war heute herrlich, die Füße haben auch durchgehalten soweit ich das beurteilen kann. Jetzt noch was zu futtern, dann bin ich zufrieden.

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2. Etappe: Guillena – Castilblanco de los Arroyos (19 km)

Recht gut geschlafen. Ein freundlicher spanischer Mitpilger kocht für mich mit Kaffee, allein hätte ich die Maschine nicht in Gang bekommen. Nach Verlassen des Ortes wird die Landschaft schön: Olivenhaine und Orangenplantagen. Es geht heute langsam aber stetig bergauf. Bis 10 Uhr wandere ich mit Jacke, bis 11 im Pulli und danach im T-Shirt. Ausserdem schmiere ich mich gut mit Sonnencreme ein. Es sind nur wenige Pilger unterwegs, die Holländerin ( muss nach ihrem Namen fragen) läuft schneller als ich, macht aber mehr Pausen. Mit ihr kann ich ein paar Worte auf Deutsch wechseln, ansonsten mache ich mich mit Händen und Füßen verständlich.

Gegen 14 Uhr komme ich ans Ziel, miete mich in einem Einzelzimmer ein und wasche ein paar Sachen durch. Später gehe ich einkaufen.Die Füße haben soweit mitgemacht, morgen kommt die erste große Bewährungsprobe: Erst 16 km Straße,dann noch 12 km bergauf.

Via de la Plata
Ziel fast erreicht(das heutige…)
Via de la Plata

1.Etappe: Sevilla – Gillena (23 km)

Pünktlich um halb acht stehe ich abmarschbereit vor der Kathedrale und was soll ich sagen: Es regnet! Und bis zum frühen Nachmittag sollte es auch nicht mehr aufhören.

Start im Regen

Beim Rausgehen aus der Stadt verlaufe ich mich etwas,als ich dann den Guadalquivir überquere, sehe ich die ersten Zeichen.Ab hier ist es dann prima markiert.

Der Weg aus der Stadt bis Santiponce ist ätzend, Industrie, Müll, Autobahnen, an Strassen entlang. In Santiponce frühstücke ich erst mal und will mir die römischen Anlagen anschauen.Sind aber zu.

2€, da kann man nicht meckern

Nach 10 km öffnet sich die Landschaft,es geht weg von den Straßen und es wird sehr ruhig.Der Weg läuft schnurgerade nach Norden und ich kriege ein Gefühl dafür, was mich die nächsten Wochen erwartet.

Der Regen hört auf,es wird wärmer. Nach ca. 23 km erreiche ich Guillena und suche die Albuerge de Luz, eine private Pilgerherberge. Für 12 € gibt’s ein Bett und morgen Frühstück.Es ist doch ganz schön Betrieb hier, etwa 10 Pilger. Außer einer Holländerin,die gut Deutsch spricht, höre ich hier nur Spanisch.

Allzu oft werde ich wohl nicht in solchen Unterkünften nächtigen

Für den ersten Tag ist’s genug, ich spüre meine Beine und Füße. Erfahrungsgemäß wird sich in zwei bis drei Tagen zeigen, wie’s mit Blasen aussieht.

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Stadtbesichtigung

Habe gut geschlafen,morgens weckt mich eine der vielen Glocken.Bis 10 Uhr ist es noch recht frisch, dann wird’s warm.Ich schlenderte durch die Stadt,trinke Kaffee ( ist hier sehr gut und preiswert) und lass mir die Sonne auf den Pelz scheinen.

Ein paar Bilder:

Heute maritimes Museum
Verhungern braucht man hier nicht
Das höchste Gebäude Sevillas, passt nicht so recht zur Stadt
Die Kathedrale. Hier geht’s morgen los ( zu Fuss)

Die Stadt gefällt mir, sehr entspannt, weiträumig,mit Palmen und Orangenbäumen. Für mich als Radfahrer: Sehr gute Radweginfrastruktur mit vielen Radlern und E-Scootern. Ist allerdings auch schön flach.

Ich packe meinen Kram für morgen zusammen. Sobald es hell wird, will ich losgehen.

Via de la Plata

Anreise

Mit halbstündiger Verspätung hebt der vollbesetzte Airbus der Lufthansa in Frankfurt ab.Der Flug ist ueberbucht, hätte 400 € bekommen,wenn ich später geflogen wäre.Allerdings habe ich zu lange überlegt,zwei andere waren dann schneller. Mittags bin ich in Sevilla,hier herrschen Temperaturen von 20 Grad und die Stadt ist voller Menschen. Bars und Restaurants reihen sich aneinander und alle sind rappelvoll mit Gästen. Mein Hotel liegt sehr zentral nahe der Kathedrale.Einen ersten Stadtrundgang verbinde ich mit dem Kauf des Pilgerpasses,der mich nun (hoffentlich)bis Santiago begleiten wird.An das warme Wetter muss ich mich erst gewöhnen,obwohl zum Start der Wanderung am Dienstag Regen und Abkühlung vorausgesagt wird. Mal sehen…Es ist schon ein komisches Gefühl sich vorzustellen, sechs Wochen lang jeden Tag zu wandern.

Die Menschenmassen in der Stadt erschlagen mich,bin sowas nicht mehr gewöhnt.Ich kaufe mir noch was zum essen und gehe zum Hotel zurück.Obwohl mitten in der Altstadt gelegen, ist es sehr ruhig. Aber ich will den Tag nicht vor dem Abend loben.

Mein Pilgerpass

Via de la Plata

Via de la Plata

Idee und Planung

Als ich 2005 im Rahmen meiner Weltreise in Südamerika war,habe ich mir geschworen:Nie wieder in ein spanischsprachiges Land ohne Sprachkenntnisse! Wie das so ist mit Vorsätzen….

Also,kurze Zeit später,2019, habe ich eine Woche lang einen Intensivkurs besucht,anschliessend an der VHS einen Anfängerkurs.Bald darauf kam Corona und alles ist im Sande versickert.Die Idee dahinter war,im Frühling eine längere Wanderung zu machen,flach und ohne Zelt.Angeregt durch Beiträge im Pilgerforum kam mir der Gedanke,die Via de la Plata zu laufen,vor allem,weil ich es bei meinen Wanderungen lieber einsam mag und dieser Pilgerweg wenig begangen wird.Ausserdem ist er der längste aller Jakobswege.

Zwei Jahre später…. nun scheint es doch zu klappen.

Spanisch kann ich immer noch nicht,dafür gibts an meiner Ausrüstung nicht viel zu ändern.Den Zeitrahmen,6 Wochen, bestimmten die günstigsten Flugpreise der Lufthansa:Abflug 6.März ab Frankfurt,Rücklug 14. April von Porto aus.Andere Anreisemöglichkeiten sind umständlich und auch teurer und sooo oft fliege ich ja nicht.

Planungshilfen sind das Outdoorhandbuch Via de la Plata und das Internet (vor allem die(man beachte)nur auf Spanisch verfügbare Website von gronze.com.Problematisch könnte es mit den Unterkünften werden,viele öffentlichen Herbergen sind geschlossen.Aber ich nehme es,wie es kommt.

Über mich

Ich bin Bernhard, Jahrgang 1954 und lebe im Rheingau. Wie der Blogname schon sagt, wandere ich gerne und mache mehr oder weniger lange Radtouren allein oder mit meiner Frau Eva.

2004/05 habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt und ein Sabbatjahr eingelegt. Da ich aufgrund meines Berufes für längere Reisen immer auf die Sommerferien angewiesen war, konnte ich jetzt mal Länder besuchen, die von den Jahreszeiten passten, wie Patagonien oder Neuseeland. So verbrachten wir meinen 50.Geburtstag am Fusse des Mt. Cook bei herrlichem Wetter.

Meine „Outdoor“karriere verlief nach dem Prinzip Versuch und Irrtum.Bei meiner ersten Mehrtageswanderung im Hunsrück habe ich die Hälfte meiner Sachen unterwegs entsorgt und war immer noch bepackt wie ein Maulesel.Ausserdem gab es kaum eine Tour,auf der ich mich nicht z.T. gewaltig verlaufen haben ( die Karte blieb meistens in der Hosentasche).

Inzwischen habe ich doch einiges gelernt,Verlaufen oder Verfahren ist ( auch Dank Internet) weniger geworden.Komfortabler muss es jetzt auch zugehen, also ein Hardcore-UL-Wanderer werde ich in diesem Leben nicht mehr.

Von den vielen Reisen,Radtouren und Wanderungen möchte ich ein wenigstes die Weltreise und die USAdurchquerung tagebuchartig hier darstellen.Ich bin ein bisschen faul,mal sehen,obs nicht nur bei dem Vorsatz bleibt (also ab und zu mich dran erinnern)