Mozzarabischer Jakobsweg

Tag 11: Cordoba

Die Hälfte der Passagiere im Bus,mit dem ich nach Cordoba fahre,sind Pilger.Drei Hardcorepilger sehe ich während der Fahrt die Bundesstraße entlang wandern.Der Randstreifen ist 50 cm breit. Früher hätte ich das auch gemacht,um sagen zu können,ich bin jeden Meter gelaufen.

Bis zum Einchecken im Hostal habe ich noch Zeit und mache eine kleine Stadtbesichtigung.Alles ist fußläufig zu erreichen.

Die alte Brücke mit der Mezquita im Hintergrund

Es herrscht ein ziemlicher Rummel an den Touristenspots.Anderorts: Ruhe

Ich besichtige den Innenhof der Mezquita und überlege,morgen reinzugehen.

Inzwischen regnet es wieder, allmählich geht mir das auf den Sack. Ich flüchte in eine Kirche und bekomme noch die Hälfte des Gottesdienstes mit.

Gut besucht

Dann einchecken im Hotel,Heizung an,die übliche Routine,planen wie’s weitergeht usw.

Morgen noch mal ein Tag in der Stadt und dann geht’s weiter auf dem Pilgerweg.

Mozzarabischer Jakobsweg

Tag 8: Baena – Castro del Rio

Neuer Tag,neue Probleme. Gestern erfuhr ich,dass die für morgen anstehenden Etappe nach Santa Cruz ab der Hälfte nicht mehr begehbar.Zusammen mit den astronomischen Wochenendübernachtungspreisen in Cordoba und ausgebuchten Hotels in Santa Cruz gilt es, eine Lösung zu finden.Ich beschließe, 2 Tage in Castro del Rio zu bleiben,am Samstag die halbe Etappe zu gehen und am Sontag mit dem Bus nach Cordoba zu fahren.Damit umgehe ich alle Probleme und meinen Füßen tut eine Pause auch gut

Die heutige Etappe war wieder sehr asphaltlastig und an der rechten Ferse bildete sich eine Blase .Das Wetter im Vergleich zu gestern erheblich kühler,aber kein Regen.Wie immer ging’s meist durch Olivenhaine,bald kann ich die Bäume nicht mehr sehen. Ueberall wird mit Akkusägen gestutzt.

In der Herberge habe ich ein Zweierzimmer für mich allein,alles ist sehr sauber und gepflegt.Morgen findet im Ort etwas statt, das mit Bewegung und kikeriki zu tun hat, mehr konnte ich nicht aus der Beschreibung der Wirtin entnehmen .Aber deshalb ist das angegliederte Hostal ausgebucht.

Heute gab’s nichts zu fotografieren,ich bin mehr oder weniger den ganzen Weg vor mich hin getrottet.So Tage gibt’s auch.Um so mehr freue ich mich auf die Pause.

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Tag 7: Cabra – Baena

Der Blick aufs Thermometer in der Mittagspause.Gestern im Regen ertränkt,heute gegrillt in der Sonne.Schatten gab’s auf dem Radweg bis Dona Mencia,auch viel Radverkehr und Kunst am Wegesrand.

Dann ging’s ab vom Weg,Mittagspause im Ort und dann schattenlos 2 km sehr sehr steil bergauf.Das war der härteste Teil des Tages.Der anschließende Weg führte durch Olivenhaine,im Stetigen auf und Ab.In Baena noch mal steil die Straße hoch und dann war die Pension erreicht.

Einmarsch in Baena

Wegen eines religiösen Feiertag war viel geschlossen, Restaurants zum Glück nicht.

Insgesamt ein herrlicher Wandertag,haarscharf unter meinem Limit von 25 km und gänzlich frei von Regen.

Allmählich nähere ich mich Cordoba.Es wird Wochenende und die Preise schießen hoch,Herbergen gibt’s bis dahin nicht mehr.

Von hier aus ist es nur noch ein Spaziergang bis Santiago

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Tag 6: Encinas Reales- Lucena( Bus) – Cabra

Jeder Tag bringt neue Überraschungen.Gestern informierte uns ein Pilger,dass der heutige Weg nach Lucena unpassierbar ist.Alles steht unter Wasser.Die autobahnähnliche Straße ist keine Alternative.

Also umplanen.Ich kann mein Hotelzimmer kostenlos stornieren,wir steigen ( wie immer im Regen) in den Bus und fahren nach Lucena.Das wäre die heutige Etappe gewesen. Sandra verabschiedet sich,sie ist knapp in der Zeit und läuft weiter als wir heute.

Ich habe schlecht geschlafen und bin nicht fit.Der Weg ist ein Bahntrassenweg, flach und etwas monoton.

Radweg für Pilger

Die 15 km verlaufen ereignislos.Es hört auf zu regnen.Die Unterkunft ist ein ehemaliger Bahnhof,top restauriert mit sehr gutem Schlafsaal.Kein Vergleich zu gestern. Für 12€ kann man nicht meckern, dazu 10€ für ein 3Gang Pilgermenü,wobei mir schon die Vorspeise genügt hätte.

Erster Gang

Das Beste ist der Blick aus dem Fenster: Es schüttet aus allen Wolken.

Den hat’s voll erwischt

Wohl dem, der im Trockenen sitzt.

Abendessen fällt aus,ich spüre meine Knochen und hoffe auf besseren Schlaf als gestern.

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Tag 5: Algaides – Encinas Reales

Morgens um  acht Uhr geht’s los.Nach einem Frühstück in der Bar fängt es an zu regnen ( und es sollte bis zum Ende der Etappe nicht mehr aufhören).

Der Weg führt steil hinauf,es regnet und es ist neblig.Ich verlaufe mich kurz, finde dann aber wieder die richtige Spur.Hinauf geht es durch Olivenplantagen.

Und dann eine bizarre Begegnung: Eine alte Frau ohne Regenkleidung mit einem zerfetzten Schirm kommt mir schwankend entgegen,taumelt und fällt 10 m vor mir kopfüber zu Boden.Sie liegt da wie gekreuzigt,das Gesicht im nassen Boden.Zuerst denke ich,sie ist tot,dann höre ich Gebrabbel.Alleine aufstehen kann sie nicht mehr.Ich helfe ihr auf,es scheint nichts gebrochen zu sein.Ein kurzes Stück gehe ich mit ihr zurück,dann kann sie wieder allein weiter.Es ist mir ein Rätsel,was sie hier macht,hier ist weit und breit keine Menschenseele. Wäre das ganze nach mir passiert, wer weiß,was geschehen wäre.Der nächste Mensch nach mir ist wahrscheinlich die spanische Pilgerin,und die bricht erst Stunden nach mir auf.

Weiter den Berg hoch im Neben und Regen,dann der Abstieg nach Cuevas Banjas auf halber Strecke.

Im Ort esse ich etwas, dann die Zeiten Hälfte der Etappe.Sandra ist wie immer schon da und öffnet mir.Ich bin froh darüber,denn die Prozedur ist folgende: Man kommt am der Herberge an,ruft eine dort angegebene Telefonnummer an und erfährt,wo man den Schlüssel erhält.Meist die Präfektur oder Polizei. Hingehen, registrieren, Schlüssel abholen und zurück.

Mein Domizil für die Nacht

Nach und nach trudeln die beiden anderen ein.Wir gehen zusammen essen.Rick spricht gut Spanisch und übersetzt,was Encarnia, die Spanierin sagt.

Wegen des Regens habe ich heute praktisch keine Bilder gemacht, meine Stimmung war ganz gut,obwohl ich völlig durchnässt war.5 Stunden Dauerregen hält keine Regenkleidung aus. Bis jetzt habe ich keine Blasen an den Füßen und außer den üblichen Hueft- und Beinproblemen,die ich auch Zuhause habe, geht’s mir ganz gut. So kann’s bleiben.

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Tag 4: Antequera – Villanueva de Algaides

Vorbei ist es mit dem schönen Wetter,als ich morgens starte.Es regnet und ich flüchte mich in den Schutz einer Kirche,um eine kleine Rucksackreparatur vorzunehmen.

Es geht raus aus der Stadt,wie immer liegt viel Müll herum.

Dann kommt die Sonne raus und die Regenklamotten in den Rucksack.Nach einiger Zeit biegt der Weg ab durch Olivenhaine und dann ist er da,der bekannte und gefürchtete rote „Lehm“boden.

Für 5 km fühlen sich die Schuhe gleich ein paar Kilo schwerer an.Mittagspause in Cartoajol,es gibt einen kleinen Markt und ich kaufe rinen Apfel und eineApfelsine.Beaeugt werde ich dabei von den immer umherspringenden Strassenhunden.Sie spazieren mitten auf der Straße herum und gehen nur den kleinsten nötigen Schritt zur Seite,um ein Auto vorbeizulassen .

Hier gab’s leckeres Obst

Die zweite Hälfte der Etappe verläuft auf gutem Untergrund und hat einige Steigungen.Kurz vor dem Ziel erreicht mich der zweite Regen des Tages. Wäre nicht nötig gewesen.

Die Herberge ist groß (und kalt), im Moment sind wir zu dritt.Heute Morgen ist eine junge Pilgerin in einem Affenzahn an mir vorbeigezogen und ward nicht mehr gesehen.Wahrscheinlich macht sie eine Doppeletappe, wobei mir die 25 km heute schon gereicht haben.

Rick,der Engländer hat an der Herberge niemanden erreicht und sich für 40 € ein Hotelzimmer genommen.Als er uns dann getroffen hat, hat er sich schwarz geärgert. Er wird’s verschmerzen können.

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Tag 3: Villanueva de Conception –  Antequera

Heute also die erste “ richtige“ Etappe und es geht gleich aufwärts.

Raus aus dem Ort bei schönem Wetter

Acht Kilometer schlängelt sich der gut begehbare Weg Richtung Berge.Das Wetter ist phantastisch,blauer Himmel,ca.7 Grad.Die Etappe ist nicht allzulang und bald ist der Naturpark mit den beeindruckenden Feldformationen erreicht.

Auf der Passhöhe gibt’s das zweite Frühstück,danach kommt der etwas knifflige Abstieg.Bei gutem Wetter machbar,bei Regen möchte ich hier nicht gehen.Oben noch gut begehbar,danach immer steiler und alpiner.In den Alpen wäre  alles gesichert,hier ist nix.

Hier ist der Abstieg gut machbar

Die Landschaft ist großartig und immer wieder eröffnen sich Ausblicke auf Antequera, dem Etappenziel.

Mein Tagesziel

Nach viereinhalb Gehstunden komme ich beim gebuchten Hotel an.Antequera ist eine sehr ansehnliche suedspanische Stadt und da Wochenende ist, ist auch ziemlich was los.

Ich erledige meine üblichen Routinekram,gehe einen Kaffee trinken und gucke mir die Stadt an.Meine zwei Mitpilgerer sind in einem anderen Hotel,sie sehe ich erst morgen Abend wieder.Wie es aussieht,sind wir drei die einzigen Pilger,die am jeweils gleichen Tag unterwegs sind.

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Tag 2: Almogia – Villanueva de Conception

Gestern Abend kam kurz vor der Dunkelheit noch ein englischer Pilger.Er hatte versucht,einen Teil des Originalweges zu gehen und war fix und fertig.

Heute morgen ging ich zuerst in eine Bar zum Frühstücken,danach begann der Weg nach Villanueva. Eine recht kurze Etappe mit 17 km Straße.Sehr wenig Verkehr und fast kein Regen.Dank des guten Wetters konnte man weit sehen.Die Landschaft ist saftig grün oder rot,je nachdem wie es bearbeitet ist.Viele Olivenhaine und der erste Kuckucksruf in diesem Jahr.Es war eine ruhige und friedfertige Stimmung.

Die Herberge hier ist ok,acht Plätze und sehr gute Sanitäranlagen.Leider kein Netz.Ich muss nachher in den Ort,wo ich Empfang habe und mir ein Hotelzimmer im nächsten Ort für morgen buchen, denn die dortige Albuerge hat zugemacht. Morgen geht’s über die Felsengruppe des Tocal zum höchsten Punkt der Tour mit anschließendem steilen Abstieg.Es wird quasi die Königsetappe auf dem Teilstück bis Cordoba