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Ab nach Hause

Meine Rückreise beginnt praktisch, als ich das Grandhotel in Boysun verlasse. Möglicherweise bin ich der erste Tourist, der aus freien Stücken mit vollbeladen Rucksack die 13 km zum Bahnhof marschiert. Aber ich habe viel Zeit bis zur Abfahrt des Zuges und will mich ein bisschen bewegen.

Kaum habe ich die Stadt verlassen, bin ich im ländlichen Usbekistan.

Vor einem Gehöft laden mich drei Männer zum Essen ein. Ich bin aber noch satt und nehme dafür die Einladung zum Tee an.

Teamtime

Ich hatte geplant, kurz vor dem Bahnhof in eins der beiden Restaurants zu gehen, die Google anzeigt. Nach drei Stunden Marsch stelle ich fest, dass eins nicht existiert, das andere gerade renoviert wird.Es ist eins dieser luxuriösen, die von außen einem Palast gleichen.Zum Glück gibt es einen kleinen Laden gegenüber, ich decke mich mit Vorräten ein. Einer der Arbeiter, der mit im Laden ist, bedeutet mir, mitzukommen. Wir gehen zum Restaurant, er führt mich in einen Raum, in dem die Arbeiter ihr Lager haben, Teppiche und Kissen auf dem Boden. Er bedeutet mir, dass ich dort ein Mittagsschläfchen halten soll. Genau das mache ich auch für eine Stunde, bevor es die restlichen drei Kilometer zu Bahnhof geht.

Der Zug kommt pünktlich, mein Abteilgenosse ist ein Hubschrauberpilot, der , ebenso wie ich ,die ganze Bahnfahrt verschläft. Die erste Klasse im Zug ist sehr bequem, diesmal kein Wechselzirkus und sogar ein Fernseher ist im Abteil vorhanden.

Zurück in Taschkent funktioniert meine Taxiapp wieder nicht, weiß der Geier warum. In den anderen Städten hat’s geklappt . Ich laufe die 15 min bis zum Hotel, gebe mein Gepäck ab und suche mir was zum Frühstück. Gegen 11 Uhr bin ich zurück und checke ein. Abends gehe ich schräg gegenüber ins „Diet Bistro“ und esse Schaffleisch mit Gemüse und Pommes. Nix Diät.

Am nächsten Morgen fahre ich nach einem opulenten Frühstück mit der U-Bahn in die Stadt und steige am Markt aus.

Ich besorge mir eine neue Sonnenbrille als Ersatz für  die zerbrochene und schlenderte über den Bazar. Es gibt viel zu sehen, man könnte den ganzen Tag hier verbringen.

Gegen Mittag geht’s zurück und es wird Zeit für einen letzten Teller Plov. Er wird in grossen Behältern angesetzt und schmeckt wie immer ausgezeichnet.

Zurück im Hotel beginne ich zu packen. Die restlich Zeit bis zum Abflug vertreibe ich mir mit Lesen. Der Flughafentransfer ist kostenlos und so steht der Heimreise nichts mehr im Wege.

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DAS ist Usbekistan!

Glück muss man haben! Ich sitze am Frühstückstisch, als eine ältere Dame auf mich zukommt und sagt, “ du musst Bernhard aus Österreich sein“. Melitta ist Österreicherin und an der Rezeption sagte man ihr, es sei noch einer aus ihrer Heimat hier. Sie spricht Russisch, was sich später noch als sehr vorteilhaft erweisen sollte. Zusammen mit einem jungen taiwanesischen Paar haben sie ein Auto mit Fahrer gemietet, um die Gegend zu erkunden. Ich kann mich anschließen und so machen wir uns auf den Weg. Vicky und Tin sind auch individuell unterwegs, Melitta hatte eine zweiwöchige Gruppenreise gebucht und hängt noch zwei weitere Wochen dran. Sie ist in etwa in meinem Alter und sehr reiseerfahren.

Erstes Ziel ist der Red Canyon. Die Straße windet sich die Berge hoch und schlängelt sich dann durch eine langgezogenen enge Schlucht. Das wäre eine Radstrecke! Außer uns ist kaum jemand unterwegs, wir spazieren auf der Straße, der Fahrer sammelt und später ein. Die Schlucht ist sehr beeindruckend, vor allem durch das Wechselspiel von Licht und Schatten.

Das nächste Ziel ist eine alte Pilgergrotte mit heiliger Quelle. Hier ist ein bisschen Klettern angesagt. Zum Ausruhen ( für die Pilger) stehen Tschampans bereit, Bettgestelle mit Teppichen ausgelegt. Das ist ein Allzweckmoebelstueck, in Restaurants wird einfach ein niedriges Tischen in die Mitte gestellt, unter das man die Füße schieben kann .

Zurück in Boysun kehren wir in ein Restaurant ein. Es gibt keine Speisekarte, der Einfachheit halber werden wir in die Küche geführt und suchen uns was aus. Es schmeckt prima.

Weiter geht’s. Die Stadt wird im Süden von einer gewaltigen Schlucht umzogen. Wir machen eine Fotostopp, bevor es weiter zu einem Sanatorium aus dem 17.Jhrd geht, das noch heute in Betrieb ist ( natürlich modernisiert). Die Hauptstraße wird gerade ausgebaut und während sich Autos und Lastwagen sich ihren Weg daneben auf einer Schotterpiste suchen, benutzen die zahlreichen Schaf- und Ziegenherden die neue Schnellstraße.

Auf der Weiterfahrt lauern die Geier am Straßenrand. Man kommt sich vor wie im Wilden Westen. Das Sanatorium ist sehr bekannt und der moderne Komplex voll im Betrieb. Wir steigen runter zum alten Teil, dort tropft Heilwasser über Felsen und Grün und wird in Behältern aufgefangen. Ich probiere es, es schmeckt süßlich.

Gegen 17 Uhr sind wir zurück. Vicky und Tin fahren abends mit dem Zug nach Samarkand, ich verabrede mich mit Melitta für morgen zu einer weiteren Exkursion.

Nach dem wie immer ausgezeichneten Frühstück brechen wir auf zur zweiten Tour. Melittas Russisch-Kenntnisse sind äußert hilfreich, sie dolmetscht für mich. Unser heutiges Ziel ist ein Wasserfall, für Usbeken in der Wüstenlandschaft ein Highlight, für uns eher, na ja… Aber allein die Fahrt ist jeden Cent wert. Eine Straße existiert nicht, sie wird gerade neu gebaut. Sand-Geroellpisten mit viel Staub sind für die nächsten Stunden angesagt. Jegliche Verkehrsregeln sind hier aufgehoben. Mehr als einmal bleibt mir fast das Herz stehen, auch wenn unser Fahrer ein Vollprofi ist. Die Landschaft ist grandios, auf und ab über Berge und durch Schluchten, an vereinzelten Dörfern vorbei. Übrigens haben in Usbekistan alle Steigungen 12%,ich habe nie ein anderes Schild gesehen.

Am Ziel, rund um den Wasserfall, ist ein kleiner Basar, in der Nähe ist ein Luxushotel in die Wand gebaut, was hierhin passt wie die Faust aufs Auge. Der Wasserfall selbst ist eher bescheiden.

Auf dem Rückweg passieren wir einen größeren Ort, es ist Viehmarkt und der Teufel los. Außerdem ist es heiß, von wegen kühle Berge. Wir essen Schaschlik mit Salat und dem üblichen Fladenbrot. Die tadschikische Grenze ist nicht weit entfernt. Die Fahrt zieht sich und beinahe wäre es doch zu einem Unfall gekommen. An einer Engstelle am Hang kommt von oben ein Lastwagen. Wir fahren aufeinander zu keiner gibt nach. Dann bremst bremst der Lkw doch noch und kommt auf uns zu. An der Stoßstange unseres Autos steht er dann endlich.Stillstand.Das der Laster unmöglich rückwärts den Berg hochfahren kann, sieht schließlich auch unser Fahrer ein und so beginnt das Rangieren. Es ist kein Millimeter Luft zwischen den Fahrzeugen, als der Lkw vorbeifährt. In der Folgezeit hat unser Fahrer es eilig, heimzukommen. Für uns unmögliche Überholmanöver sind hier an der Tagesordnung. Außerdem benutzt jeder jede mögliche Fahrspur, um so den gröbsten Schlaglöchern auszuweichen. Die Autos hier müssen ganz schön was aushalten. Ziemlich gerädert kommen wir in Boysun an und spazieren noch durch den Ort, um uns nach dem langen Sitzen die Beine zu vertreten. Schliesslich verabschiede ich mich von Melissa, sie fährt morgen früh weiter nach Süden, während ich noch zwei weitere Tage zum Faulenzen in Boysun habe.

Wohl wahr

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Boysun

Was für ein Kontrast! Als ich morgens im Zug nach 2 Stunden Schlaf aufwache und aus dem sehr gemächlich fahrenden Zug schaue, finde ich mich in einer völlig anderen Landschaft wieder. Karge Berge, verstreut liegende Dörfer, die sich kaum von der Landschaft abheben und endlich Boysun, eine Kleinstadt am Fuße des Hissargebirges.

Auf 1200 m Höhe gelegen, erstreckt sich der Ort über ber viele Kilometer Richtung Gebirge. Der Bahnhof ist 12 km vom Zentrum entfernt, ein Taxi nimmt mich mit und sammelt unterwegs noch Leute auf, die für die Mitfahrt eine geringe Gebühr bezahlen. Mein Hotel ist ok, ruhig gelegen, hell und sauber. Ich bin ziemlich groggy von der kurzen Nacht und schlafe erst mal 3 Stunden.

Nachmittags gehe ich die wenigen Schritte Richtung Zentrum und bin sofort froh, den Abstecher hierhin gemacht zu haben.

Boysun ist immaterielles Weltkulturerbe. bekannt für seine authentisch bewahrte Lebensweise. Hier ist nichts auf Tourismus ausgerichtet, ich sehe auch keinen einzigen, und die Einwohner haben ihren traditionellen Lebensstil und die Handwerkskunst aus der Vergangenheit bewahrt.

Über mehrere Straßen zieht sich der Markt hin, alles findet draussen statt. Das Fladenbrot in all seinen verschiedenen Varianten wird traditionell im Lehmofen gebacken und schmeckt frisch fantastisch gut. 30 Cent kostet es. Für 4 Euro bekomme ich in einem Straßenrestaurant 5 Schaschlikspieße mit Brot und Tee und als Nachtisch eine Kugel Ziegenkäse.

Ein Mann setzt sich zu mir, fragt, woher ich komme und zählt dann bis 7 auf Deutsch und sagt “ guten Morgen“ . Anschließend rattert er alle aktuellen Personen der Weltgeschichte herunter und wartet auf meine Reaktion. Ich gebe mit Gesten meine Meinung kund, aber sehr dezent. Anscheinend ist er sehr zufrieden. Er ist pro Putin und Palästina und Ursula von der Leyen kennt er auch.

Meine Mahlzeit ist beendet, ich kaufe noch Wasser und eine Tüte gemischter Süßigkeiten ( heute keine Wiederstandskräfte).Leitungswasser ist in Usbekistan nicht zum Trinken geeignet, aber überall findet man Wasserflaschen aller Größen.

Es herrscht viel Verkehr, es ist staubig und man muss aufpassen, dass man nicht in einen Abwasserschacht fällt.

Hier im Süden, nicht weit von Tadjikistan und Afghanistan entfernt, wird es um sechs Uhr dunkel. Ich werde vier Tage hierbleiben, aber für heute ist es erstmal genug

Usbekistan 2025

Vierzig Stufen ins Paradies

Meine heutige Besichtigungstour könnte man als „Friedhofsrunde“ bezeichnen. Nach einem opulenten Frühstück geht es entlang der Flaniermeile Richtung Afrosyob, dem ehemaligen Samarkand, vorbei an der gigantischen Bibixonim- Moschee, der größten der damaligen islamischen Welt.

Der Afrosyob ist ein Hügel, auf dem Amir Timur seinen Palast errichten ließ. Heute ist davon kaum was übrig, Dschingis Khan hat alles platt gemacht. Ich spaziere über den alten und neuen Friedhof, von hier hat man wunderbare Ausblicke auf das später in der Ebene erbaute Samarkand.

Die Friedhöfe sind riesig, auf dem neuen sind die meisten Grabsteine mit Porträts verziert.

Die Verwandtschaft Timurs, seine Generäle und Lehrer sind im Shohizinda-Komplex bestattet, eine riesige Mausoleumsstadt.

Vom Eingang führen 40 Stufen hoch zu den Mausoleen. Der Besucher soll sie beim Auf- und Abstiegt zählen, dann ist seine Seele gereinigt. Die früheren Usbeken müssen ziemlich gelenkig gewesen sein, denn die Stufen sind recht hoch und ich komme leicht ins Schnaufen.

40 Stufen ins Paradies

Der Überlieferung nach wurde hier ein Weggefährte Mohammeds beim Gebet von Zarathustras Anhängern enthauptet. Da ein Moslem niemals sein Gebet unterbrechen darf, nahm er seinen Kopf untern Arm und sitzt seitdem betend und fastend in einer Höhle. Tatsächlich befindet sich sein später errichtetes Mausoleum inmitten des Komplexes.

Es ist ziemlich viel los hier, ich setze mich auf eine Bank und schaue dem Treiben zu. Für pensionierte Geschichtslehrer mag das hier tatsächlich das Paradies sein, so viel gibt es hier zu besichtigen. Ich beobachte den Unterschied der Kulturen: Die Westler fotografieren die reich verzierten Bauwerke und gelegentlich sich selbst in möglichst natürlicher Pose, die Chinesen knipsen ihre Frauen nach kurzem prüfenden Blick nach einem geeigneten Hintergrund. Dann dirigieren sie sie in verschiedensten Posen, prüfen anschließend das Ergebnis, bevor sich vor der nächsten Fassade das Gleiche wiederholt. Kein Asiate käme auf die absurde Idee, einen Haufen alter Steine ohne Person zu fotografieren. Ich stelle mir vor, auf jedem der Bilder in meinem Blog wäre ich mit drauf zu sehen…

Zurück geht’s über den riesigen Basar, ich wiederstehe der Versuchung, Süßigkeiten zu kaufen und esse lieber eine mit Spinat gefüllte Teigtasche.

Damit ist der “ kulturelle“ Teil meiner Usbekistan Reise beendet. Von den drei Städten hat mir Samarkand am besten gefallen, hier lohnt es sich, länger zu bleiben und in Buchara und Xiva kürzer. Aber das ist meine persönliche Meinung. Eine gewisse Übersättigung an Moscheen etc. stellt sich ein und so denke ich, dass dies die letzten Bilder mit dem Anfangsbuchstaben “  M“ waren:

Moscheen, Mausoleen, Minarette, Märkte, M(T)ouristen.

Morgen früh geht es zu unchristlicher Zeit mit dem Zug nach Boysun, einem Ort in den Bergen des Gissargebirges. Definitiv kein Touristenort und endlich eine andere Landschaft als die bisherige unendliche Weite Usbekistan s.

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Abseits der Touristenströme (fast)

Bei schönstem Wetter spaziere ich nach dem Frühstück abseits der Touristenmeile durch die Altstadt.

Einige Bilder von den Eindrücken:

Zurück am alten Wasserspeicher der Stadt, dem Labi Havuz, statte ich Hodscha Nasreddin, dem islamischen Till Eulenspiegel einen Besuch ab, bevor ich mich bei einem Cappuccino niederlasse und die Sonne genieße.

In einer Seitengasse entdecke ich etwas, was wie ein steinernes Fass aussieht. Entpuppt sich als Ofen, in dem ein Feuer brennt. An der Innenwand kleben gefüllte Teigtaschen, die hier langsam gegart werden. Natürlich kaufe ich eine, sie ist groß, heiß und schmeckt ausgezeichnet.

Den Nachmittag verbringe ich mit der Planung des restlichen Urlaubs, was sich aufgrund des schwachen Internets etwas schwierig gestaltet. Aber dann ist alles geregelt und ich habe alle meine Buchungen in der Tasche.

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Nix zu tun in Xiva

Heute habe ich weitgehend gefaulenzt.Schlecht geschlafen ( vielleicht wegen der vielen Süßigkeiten gestern) und zu müde, um in die Nachbarstadt Urganch zu fahren . Gegen Mittag raffe ich mich auf und spaziere einmal um die beeindruckende Stadtmauer. Wenig los, der Trubel ist innerhalb der Altstadt .Die Mauer besteht aus Ziegeln, die mit einem Lehm- Strohgemisch verputzt sind. Der Rundgang dauert eine gute Stunde.

Gestern Abend bin ich noch mal los,um Xiva bei Dunkelheit zu erleben.Es war noch richtig viel los,aber auch recht kühl und windig.Die Außencafés und Restaurants waren leer.

Morgen Nachmittag fahre ich mit dem Zug nach Buchara. Gut sieben Stunden dauert die Fahrt. Als ich vor ein paar Tagen gebucht hatte, waren nur noch drei Plätze im Sleeper frei, dass sind offene Sechserabteile. Bin mal gespannt.

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Was für’s Auge und den Magen

Durchs Nordtor verlasse ich die Altstadt und gehe zum Bazar, der nicht so “ aufgeräumt“ wirkt wie in Taschkent. Eindrücke:

Man sieht, die Süßigkeiten haben es mir angetan. Ich kaufe noch eine grosse Tüte mit verschiedensten Bonbons und zwei Kuchen.

Da wir beim Essen sind: So sieht ein typischer Essenstag aus, wobei ich natürlich nicht immer das gleiche esse.

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Xiva ( „oh, wie wohltuend“ )

Die historische Altstadt von Xiva ist komplett von einer Stadtmauer umschlossen. 700 m bzw. 400 m in alle Richtungen ist sie sehr überschaubar. Etwa 7000 Menschen leben noch hier, auch wenn es Pläne gab und gibt, sie umzusiedeln und aus der Altstadt ein Freilichtmuseum zu machen. Den meisten der vielen Touristen, die ich auf einem ersten Erkundungstrip sehe, wäre das vermutlich egal. Sie interessieren sich mehr für die zahlreichen Souvenierstände und für sich selbst.

Das Wahrzeichen von Xiva ist der unvollendete Turm. Er sollte einst das höchste Minarett Asiens werden, der Bau wurde aber aus unerfindlichen Gründen nach 29 m abgebrochen.

Ich schlenderte durch die Gassen,vorbei an vielen Medressen ( islamische Lehranstalten) und Mausoleen.

Pahlavon Maxmud ( 13.Jhrd) ist so was wie der Schutzheilige von Chiva, vergleichbar mit Jakobus ( Santiago de Compostella).Zu seinem ( im 19.Jhrd) neu erbauten Mausoleum kommen auch heute noch viel Pilger, um zu beten. Ich zahle 2 Euro Eintritt und bin beeindruckt. Neben dem Heiligen liegen hier auch Familienmitglieder der damaligen Khandynastie, die das Mausoleum errichteten.

Eines der ungewöhnlichsten Bauwerke in Xiva ist die Freitagsmoschee.Sie wird innen von reich verzierten, uralten Holzsäulen gestützt und wirkt von aussen unscheinbar. Die meisten Touristen ignorieren sie und widmen sich lieber den gegenüberliegenden Verkaufsständen.

Es weht ein etwas scharfer Wind,ansonsten ist es ziemlich warm. Ich setze mich öfter auf eine Bank und beobachte die Leute. Viele deutsche Gruppen, erstaunlich wenig Japaner oder Chinesen. Sobald man aus den zwei Hauptachsen mit den Souvenirshops raustritt, herrscht Ruhe.

Das Islom- Xo’ja Minarett ist der höchste Turm hier in Xiva. man kann über eine enge Wendeltreppe hochsteigen. Nix für mich.

Am frühen Nachmittag schlendere ich zurück zum Guesthouse.Ich gucke öfter in Seitengässchen, wo die normalen Leute wohnen.Man vergisst leicht, dass das hier kein Freilichtmuseum ist, sondern dass hier Menschen wohnen, die, wenn auch etwas abseits vom Touristenrummel, ihr Leben verbringen.

Am frühen Abend marschiere ich nochmal los, kaufe in der Neustadt im Supermarkt etwas ein und Bummel etwas ziellos umher. Google maps ist hier etwas ungenau, mir fehlt ein bisschen die Orientierung.

Gestern hatte ich anscheinend Glück mit meinem etwas abseits gelegenen Restaurant. Fast alle sind auf den Gruppentourismus ausgerichtet und die Rezensionen sind vernichtend: Schlechtes Essen, hohe Preise, unfreundliches Personal. Da bleibe ich meinem Restaurant „Sultan“ .

Was ist mein Fazit für heute? Xiva ist ein exotischer Ort, voll massentourismustauglich mit all seinen Effekten. Als Einzelreisender neigt man dazu, sich für einen “ besseren“ Reisenden zu halten und auf die anderen herabzublicken. Doch ich trage genauso wie die chinesische Dame, die auf einem Foto oben posiert zu den schädlichen Auswüchsen bei, auch wenn das kleine Mädchen, das von mir Geld will, dies auf äußerst charmante Art macht.

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Ab durch die ( Stein )Wüste

In der Nacht hatte es geregnet und meine Stimmung sinkt noch tiefer , als der bestellte Fahrer, der mich nach Xiva bringen soll, um 9 Uhr nicht auftaucht. 15 min später kommt einer, aber der soll einen Gast nach Moynak bringen. Nach langem Hin und Her stellt sich heraus, dass der Tourmanager ihm einen falschen Zielort gegeben hatte und ich sein Kunde bin.

Also auf nach Xiva mit zwei Zwischenstopps. Der erste ist Shilpiq, ein weithin sichtbarer Tafelberg in der flachen Landschaft. Er wurde bis ins 7.Jhr. von den Anhängern Zarathustras als Bestattungsplatz genutzt in der Form, dass die Leichen ein Jahr dort lagen und von den Vögeln bis auf die Knochen aufgefressen wurden. Diese wurden dann in Ton Gefäßen gesondert bestattet. Der Weg hinauf wird inzwischen durch hunderte Steinstufen erleichtert, ist aber trotzdem anstrengend. Der Ausblick ist überwältigend, außer mir ist niemand oben.

Zurück beim Auto fährt mich Achmed, der nur ganz wenig Englisch spricht, weiter durch die Steinwüste. Viele Baustellen, Wellblechpiste mit unzähligen Schlaglöchern und im Radio eine Art Usbekenrap. Achmed fährt wie eine gesengete Sau, aber das machen alle hier und ich entspanne mich.

Der zweite Stopp ist die Wüstenfestung AyaKala, schon etwas touristischer mit Yurtencamp und Kamelreiten. Es sind nur wenige Besucher da, ein chinesischer Bus, aber die meisten der Insassen sitzen im Restaurant. Der Aufstieg ist mühsam, mit “ richtigem“ Wüstensand und leicht alpinem Endaufstieg. Mein Mittagessen, eine Banane, fällt der Wüste zum Opfer.

Man kann sich nur schwer vorstellen,wie das früher hier ausgesehen hat, aber allein die Ausmaße sind beeindruckend.Inzwischen herrscht wieder bestes Wetter und die Aussicht ist fantastisch.

Wieder unten schlenderte ich durchs Yurtencamp. Mann kann hier bei gebuchten Touren übernachten, aber sehr ansprechend sieht es nicht aus.

Ich wecke meinen Fahrer, im Schweinsgalopp geht’s jetzt nach Xiva. Nach fast 300 km erreichen wir die Altstadt und mein Guesthouse.Ich checke ein, der arme Kerl muss den ganzen Weg wieder zurück,wenn auch auf direkter Route.Er bekommt ein ordentliches Trinkgeld und ich bin froh,die nächsten Tage weder Zug, Auto noch Bus fahren zu müssen.

Meine Unterkunft liegt innerhalb der Altstadt am Rande und ist herrlich ruhig. Großes Zimmer, schöner Frühstücksraum, guter Ausblick, was will man mehr. Hier bleibe ich 4 Tage, bevor es dann weiter nach Buchara geht.

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Moynaq: Am See, den es nicht mehr gibt

Das Verschwinden des Aralsees ist eine menschengemachte ökologische Katastrophe.Innerhalb von 60 Jahren ist er fast völlig verschwunden.Moynaq, wo ich heute hinfahre, lag einst am Südufer,heute ist der Rest des Ses 100 km entfernt.

Ich bin früh am Busbahnhof, was gut ist, denn so bekomme ich noch einen Sitzplatz. Der Kleinbus füllt sich rasch, immer mehr Leute steigen ein, bis er rappelvoll ist.

Los geht’s und wir verlassen Nukus.Die Straße ist noch recht gut, landschaftlich gibt’s nichts zu sehen außer Weite, Ziegenherden,Baumwollfelder und Staub.In der Orten steigen Leute ein und aus, die Straße wird schlechter.Trotzdem bin ich froh, den Bus genommen zu haben, denn hier drin ist wenigstens Leben, während man im Taxi stumm neben dem Fahrer hockt. Außerdem kostet der Bus nur ein Fuenfundzwanzigstel des Taxipreises.

Nach dreieinhalb Stunden kommen wir in Moynaq an und ich fahre mit dem Taxi zum 4 km entfernten Schiffsfriedhof.Es ist das ( einzige ) Highlight hier.Eine seltsam düstere Stimmung hängt über dem Ort und man kann sich nur schwer vorstellen, dass hier einmal das Seeufer war.Es sind ein paar Touristen da, auf ihrer Jeeptour auf dem ehemaligen Seeboden zu einem Jurtencamp.

Den Weg zurück laufe ich,damit ich etwas Bewegung habe.

Vorbeim am Uhrenturm, verfolgt von einem Hund besuche ich noch die Toilette am Bazar, wo der Bus abfährt. Zwei moderne Dixiklos sind verriegelt und verrammelt.

Ich bin 45 min vor Abfahrt da und ergattere den einzigen Einzelsitz. 30 min später ist der Bus brechend voll, so dass der Fahrer früher startet, es hätte sowieso niemand mehr reingepasst. Ein Grossteil der Leute steht während der gesamten vierstündigen Start, und das bei den Straßenbedingungen. Mein Sitzfleisch wird auf eine harte Probe gestellt. Die Fahrt verläuft zäh und es fängt sogar an zu regnen. In Nukus angekommen, ist es schon dunkel. Am Parkplatz warten “ shared Taxis“, die erst losfahren, wenn sie voll sind. Der Fahrer will den dreifachen Preis, ich handel ihn auf den normalen runter. Dann werde ich noch zweimal in andere Wagen gesetzt, bis es endlich losgeht. Im Hotel angekommen, funktioniert meine Zimmerkarte nicht mehr. Nachdem alles geklärt ist, mache ich mich über meine Vorräte her, denn zum Essengehen habe ich keine Lust mehr.