Taschkent hat zwei Bahnhöfe. Mein Zug startet am Südbahnhof. Ich bin beizeiten da, kaufe noch Wasser und Proviant ein.Im Wartesaal gibt’s ein kleines Restaurant, dort esse ich noch einen Teller Plov, das hiesige Nationalgericht . Am Tisch sitzen zwei junge Deutsche, die heute einen Tagesausflug machen und ansonsten die Stan- Länder bereisen wollen. Wir unterhalten uns ein bisschen, dann müssen sie los. Ich sehe nirgends eine Anzeigetafel, der Ticketschalter ist zu und so frage ich einen „Offiziellen“, wo mein Zug abfährt.
Dann rollt er ein, ich suche meinen Platz im Wagen und richte mich ein. Mein Abteilgenosse ist ein Japaner, der bis Samarkand fährt und trotz Englischkenntnisse nicht viel spricht.




Ich schaue mir die vorbeiziehende Landschaft an, viel gibt’s nicht zu sehen. Das Land ist flach und wirkt außerhalb der Hauptstadt etwas ärmlich.


In Samarkand steigt der Japaner aus und eine halbe Stunde tut sich nichts am Bahnhof.Ich freue mich schon,den großen Rest der Fahrt allein im Abteil zu sein, aber dann beginnt der Stress: Eine Menge Leute steigen ein, der Schaffner bedeutet mir, ich soll ein Abteil weiter zu einem anderen Mann Wechsel, damit ein Paar in mein Abteil kann . Also alles zusammenpacken, umziehen, neu einrichten.
Ein paar Minuten später erscheint ein Paar, sie zetert auf Englisch los, das sei ihr Platz, ich soll verschwinden. Der überforderte Schaffner erscheint und bittet mich, wieder ins alte Abteil zu ziehen. Auch der andere Mann muss weichen. Also zusammenpacken und alles wieder auf Null.
Zurück auf dem alten Platz, sehe ich, dass dort bereits zwei Leute sitzen.Es stellt sich raus, dass sie getrennte Plätze haben.Die Frau geht,ich richte mich( hoffentlich zum letztenmal) wieder häuslich ein. Mein neuer Nachbar spricht drei Worte Englisch, er fährt bis Buchara. Hoffentlich habe ich danach Ruhe.
Platzwechsel: Er geht,sie kommt und legt sich lang . Vielleicht haben sie auch nur einen Platz gebucht und wechseln sich ab, was weiss ich ……
Hungern braucht man im Zug nicht, andauernd kommt jemand und will Essen verkaufen.Riesige Schaschlikspieße, gefüllte Teigtaschen und Süßigkeiten.
Der Zug selbst stammt noch aus früheren Zeiten,alles massiv,kein Plastik.Die Steckdose funktioniert nicht, die Klimaanlage schon.Manchmal rumpelt er ganz schön.Insgesamt ist es aber eine entspannte Art zu reisen, auch wenn es hinter Samarkand dunkel wird und ich draußen nichts mehr sehen kann.
Ab und zu bleiben wir in der Pampa stehen, die Deutsche Bahn lässt grüßen.
Mein nächster Genosse ist ein sehr korpulenter Usbeke.Wir probieren ein bisschen Unterhaltung per App, dann legt er sich zur Ruhe. Bald kommen aus seinem Mund schauerliche Laute,nicht nur Schnarchen. Beim nächsten Halt kommt das genaue Gegenteil ins Abteil: Sehr groß und spindelduerr mit Hut. Er legt sich hin und guckt Filme auf dem Handy. Es ist zwei Uhr nachts. Ich verstopfe mir die Ohren, es hilft nicht viel. Entnervt schnauze ich ihn an und Ruhe ist. Zwei Stunden später steigt er aus und ich habe jetzt das Abteil für mich. Wach werde ich erst, als der Schaffner mich energisch weckt: Der Zug hält bereits in Nukus, nix wie raus, denn die Fahrt geht noch weiter nach Russland und da will ich bestimmt nicht hin.


Von der Zugfahrt hatte ich andere Vorstellungen, ich dachte,in Taschkent belegen ich und eine zweite Person das Abteil und bleiben so bis Nukus.Das dauernd andere Leute zusteigen, hätte ich nicht erwartet.Dazu kommt, dass Paare getrennte Plätze gebucht hatten und dann per Schaffner durch Umlegen zusammenzukommen.Daher der ganze Stress.
Es ist noch stockdunkel um 6 Uhr morgens in Nukus.Mit dem Taxi ins Hotel ,duschen und noch zwei Stunden schlafen.Dann beginnt der „Arbeitstag“:
Der Grund, warum ich (und die meisten Touristen) nach Nukus kommen,ist der Aralsee, oder besser, die 10 Prozent, die davon noch übrig sind . Ich will nach Moynaq, einst die südlichste Stadt am See, heute 100 km vom Ufer entfernt. Man kann mit dem Bus hinfahren. Der Busbahnhof ist 5,5 km entfernt und ich laufe den Weg nach der langen Zugfahrt. Außerdem sehe ich was von der Stadt, wobei es eigentlich nichts zu sehen gibt.


Am Bahnhof erfahre ich,das morgens um 9 ein Bus fährt,drei bis 4 Stunden.Das Ganze auch wieder zurück.Mit dem Taxi geht’s zurück ins Hotel,denn ich muss meine Weiterreise planen.Mit viel hin und her organisiere ich einen Autotransfer für Montag,der mich nach Chiva bringt und unterwegs anhält zur Besichtigung der Wuestenfestungen.Ich hab nichts Schriftliches,hoffentlich klappt alles.Anschliessend buche ich für 4 Nächte eine Familienpension in der Altstadt von Chiva und zur guter Letzt noch ein Zugticket von Chiva nach Buchara für nächsten Freitag.3 Plätze im 6er Schlafwagen waren noch frei.Falls sich meine Pläne ändern,kann ich den billigen Ticketpreis verschmerzen, aber sicher ist sicher.






































