Via de la Plata

Santiago – Porto ( mit dem Bus)

Es regnet in Strömen,als ich mich vom Kloster aus auf den Weg zum Busbahnhof mache.Der Flixbus nach Porto fährt mit einiger Verspätung ab.Von der Landschaft ist nichts zu sehen.

Nach ein paar Stops erreichen wir Porto. Kurz vorher hört es auf zu regnen. Ich suche ein Hotel und checke nach ein paar Verhandlungen ein.Die Stadt ist voller Touristen,viel Verkehr und enge,steile Gassen.Dazu die portugiesischen blauen Kacheln:

Im Bahnhof San Bento

Am nächsten Tag mache ich eine Stadtbesichtigung zu Fuß, bis der Regen auch hier wieder einsetzt. Ein paar Bilder:

das Wahrzeichen Portos

Porto ist sehr touristisch, hat schöne alte Gebäude und viele Kirchen.

darf nicht fehlen
Bahnhof San Bento

Am Nachmittag packe ich meinen Rucksack für den Heimflug um. Mit der Metro geht es morgen zum Flughafen raus und dann nichts wie nach Hause.Was bleibt, sind viele Eindrücke,nette Begegnungen, Erinnerungen an wunde Füße. Das bestimmende Wort dieser Pilgerreise aber ist “ frio“. Nie hätte ich gedacht, dass ich um diese Jahreszeit in Spanien so frieren würde. Auf jeden Fall war es die längste Wanderung, die ich bisher gemacht habe. Ob ich noch mal einen Pilgerweg gehen werde? Der Camino de Norte soll sehr schön sein…….

Via de la Plata

29. und letzte Etappe: Xunqueira – Ourense (Bahnhof), 28 km,dann mit dem Zug nach. Santiago

Zum Finale noch mal großes Schnarchkonzert!Und Regen.Und einer langer Anstieg.Aber dann 20 km langsam aber stetig bergab bis Ourense.Hier verabschiede ich mich von Christine und Volker.Ein letztes Foto,dann geht’s weiter.

Ich muß die gesamte Stadt durchqueren, um zum Bahnhof zu gelangen.Es schüttet aus allen Rohren.Aber schließlich komme ich an und so endet die Pilgerung ganz unspektakulär am Bahnhof von Ourense im Regen.

Ende einer Pilgerung

Für die Strecke nach Santiago,die die Pilger in 4 Tagen zurück legen, benötigt der Schnellzug 38 Minuten.Natuerlich regnet es auch hier.Ich suche das Kloster,ein riesiger Kasten auf einem Berg und habe seit Wochen mal wieder ein Zimmer für mich allein.

Mein Übernachtungsplatz in Santiago der Compostela

Als es weniger regnet,gehe ich zur Kathedrale,so vage erinnere ich mich noch von meiner damaligen Radtour daran.Viele Pilger,viel Rummel,viel Kitsch.Das Busticket für morgen nach Porto habe ich gleich nach der Ankunft besorgt .Nicht nur wegen des schlechten Wetters bin ich froh,die Stadt morgen früh wieder verlassen zu können.

Via de la Plata

28.Etappe: Laza – Xunqueira de Ambia ( 33 km)

Die ganzen Höhenmeter,die es gestern runter hing, müssten wir heute auf der anderen Seite des Tales wieder hoch. Müssten, aber Christine hat ein Taxi bestellt und so schließe ich mich den beiden anderen an und fahre mit.Als sich der Wagen die zahlreichen Serpentinen hochmüht, bin ich froh über meine Entscheidung.Kurz vor der Passhöhe hält der Fahrer in einem kleinen Ort.Die einzige Bar ist noch zu und so wandern wir 7 km zum nächsten Dorf, wo wir frühstücken können.Der gestrige Tag steckt noch allen in den Knochen und jeder hängt seinen Gedanken nach.Ich bin nicht fit und ganz froh,dass morgen die letzte Etappe ansteht.Irgendwie will jeder nur noch ankommen.Es geht bergab,wir wandern auf Wirtschafts- und Feldwegen,es stinkt nach Gülle.Von der gestrigen Schönheit der Landschaft ist nichts mehr zu sehen.Einzig die galizischen Jakobssteine sind sehr individuell gestaltet.( Kein WLAN,keine Bilder,kommen nachträglich).Die Herberge erreichen wir am frühen Nachmittag.Ich lege mich erst mal hin,mein ständiger Mitpilger auch.Das bedeutet Schnarchen.Auch letzte Nacht,es ist trotz Ohrstöpsel kaum auszuhalten.Aber wahrscheinlich ist das für mich die letzte Nacht im Schlafsaal einer Herberge.So schön das Gemeinschaftsgefühl auch ist in den Herbergen,wenn ich einen ( meist spanischen) deutlich übergewichtigen männlichen Pilger reinkommen sehe, weiß ich,was die Stunde geschlagen hat.Es ist Palmsonntag, die Frauen laufen mit Palmwedeln durch den Ort (die Männer sind in der Bar), alles ist zu und das Warten auf den Abend beginnt.Vor halb neun gibt’s nichts zu essen.Also vertreibt sich jeder so die Zeit.Das Essen gestern Abend war gut, vorneweg eine gute Suppe und dann den Gasofen angemacht.Bis zum Fleischgang konnte ich die Daunenjacke ausziehen und als Nachtisch gab’s Eis.Wie immer für 10€ .Auch sind die Herbergen hier in Galicien um Klassen besser als unten im Süden.Einmalbezug,Heizung,tip-top Sanitärräume ,oft Küche ( wenn man denn Vorräte hat) und WiFi,dessen Anmeldung noch nicht einmal funktioniert hat. Für morgen ist Regen vorhergesagt, und nachdem heute Nachmittag ein Sturm aufgezogen ist,glaube ich das unbesehen.Aber die paarundzwanzig Kilometer bis Ourense packe ich auch noch. Im Moment knurrt nur der Magen.Wohl dem,der zu Hause sitzt und einen v o l l e n Kühlschrank hat!

Christine im Sturm
Via de la Plata

27.Etappe: A Gudina – Laza ( 35 km)

Was für ein Kontrast zu gestern! Während es da ununterbrochen geschüttet hatte,strahlte heute die Sonne über einer fantastischen Berglandschaft.Auf 1100 m Höhe bedecken Heidekraut und Nadelwald die Berge Galiciens .Der Weg führte in mehreren Auf- und Anstiegen an den Bergrändern entlang und so kamen viele Höhenmeter zusammen.Und die Aussichten waren grandios.

Nach 20 km machten wir eine Pause in Campobecerros,Achim blieb hier und wir übrigen drei wanderten weiter.6 km vor Lazar gab’s in einem Dorf einen Selbstbedienungsstand,gegen Spende kann man Kaffe trinken, Obst essen usw.

Meine zwei Mitpilger

Die Herberge in Laza ist sehr modern und geheizt.Wir gehen Abendessen und dann ab in die Koje.Ich bin ziemlich groggy.

Selbstbedienung
Weit ist der Weg möchte
Faulpelz
Via de la Plata

26.Etappe:Lubian – A Gudina (25 km)

Sollte ich jemals eine zweite berufliche Karriere starten wollen,so käme dafür nur die des Balletttänzers in Frage.Ich starte in Sandalen und der Weg ist grauenhaft.Immer wieder versuche ich, auf einem trockenen Fleck aufzusetzen.Der Weg steigt steil an,es ist neblig und in der Nacht hat es geregnet.Irgendwann geht es in Sandalen beim besten Willen nicht mehr weiter.

Kilometerlang den Berg hoch

Also ziehe ich die Wanderschuhe an und der Druck auf den Zeh ist erträglich.Der Weg zieht und zieht sich,alles ist in Nebel gehüllt.Endlich oben.Hier am Pass verläuft die Grenze zu Galicien und prompt beginnt es zu regnen und es wird bis spät abends nicht mehr aufhören.Die 15 km zum Etappenziel führen durch eine zerklüftete Berglandschaft mit ständigem auf und ab und das auf völlig vermatschten Wegen.Der Regen wird stärker,die Schuhe sind nass und es ist kalt. 8 Grad mit Gegenwind.Jetzt am warmen Ofen sitzen!!.Volker und Christine haben den ersten Teil der Etappe mit dem Taxi zurückgelegt und so sich den schlimmsten Teil erspart.Bei mir war schon ein bisschen Ehrgeiz im Spiel,nachdem ich ja in Salamanca die Zwangspause hatte,wollte ich jetzt den Weg bis Ourense laufen.Aber es war hart.Die Herberge ist neu, Fußbodenheizung, aber keine Decken.Meine Regenjacke und Hose haben dicht gehalten,bis auf die nassen Socken bin ich trocken geblieben.Eine heisse Dusche und ich bin wie neugeborenen.Jetzt noch ein gutes Abendessen, dann kann der morgige Tag kommen,der mit 34 km auch wieder hart zu werden verspricht.

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25.Etappe:Requejos – Lubian (18 km)

Mit rund 1370 m Höhe ist der Pardonelopass der höchste Punkt der Wanderung. Ueber den geht’s heute drüber.Doch bevor es soweit ist,muss ich feststellen,dass ich nicht in den Wanderschuhen laufen kann.Der Druck auf den entzündeten Zeh ist so groß,dass ich nicht abrollen kann.Also Sandalen.Dabei ist der Weg nur bedingt Sandalengeeignet.

Es geht steil bergauf,der Weg zieht sich und ein kalter,boeiger Wind bläst mir von vorn ins Gesicht.Auf dem Pass leiste ich mir ein verspätetes Frühstück,dann geht’s bergab.Das Gelände ist zerklüftet und die Wege sind großteils überschwemmt .Am frühen Nachmittag erreiche ich die Herberge in Lubian.Die Häuser sind hier aus Granit gebaut und das ganze sieht gut aus.Noud macht morgen seine letzte Etappe,seine Frau hatte einen Autounfall und er fliegt heim. Wir gehen heute Abend nochmal alle zusammen essen,ab übermorgen laufe ich allein die letzten langen Etappen.Die anderen teilen sie auf,damit sie nicht zu früh in Santiago ankommen.Ich habe noch mal an meinem Zeh rumgedoktert und hoffe,es nicht verschlimmbessert zu haben.Die letzten 4 schweren Etappen in Sandalen laufen zu müssen,ist nicht gerade erfreulich.Aber es ist sowieso besser,immer nur für einen Tag zu planen.Hier kann so viel dazwischenkommen und man muss sich anpassen.Nur ein Teil aller Pilger erreicht Santiago,die meisten geben innerhalb der ersten zwei Wochen auf.Also,ich schau, wie’s morgen läuft und dann sehe ich weiter.

Via de la Plata

24.Etappe:Asturianos – Requejo ( 26 km)

Bei -3 Grad starten wir in die Etappe.Nach ein paar Kilometer kommt eine Bar,die offen hat und -oh Wunder- einen brennenden Kamin.Kaffee und Pause,dann geht’s weiter und die Sonne kommt Mittags können wir an einem Fluss Picknick machen,Sonne und kein Wind.Mein eingewachsener Zehennagel hat sich entzündet und tut richtig weh.Mein Sündenkonto muss doch ziemlich groß sein,wenn ich so geplagt werde auf der Via de la Plata.Nachmittags checken wir in der örtlichen Herberge ein,zahlen 5€ und freuen uns über die Heizung.Abendessen, Fußpflege, Feierabend.

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23.Etappe:Rio Negro – Asturianos(26 km)

Dank der eingekauften Vorräte gab’s heute morgen Frühstück,bevor sich alle auf den Weg machten.Nicht so kalt wie gestern und wolkenloser Himmel,so dass die Sonne schon nach einer Stunde etwas wärmte.Nach 10 km Pause mit Kaffee und Tortilla,alles für 2,30€.Es ist erstaunlich,wie preiswert hier manches ist.Der Weg ist abwechslungsreich,wir befinden uns hier auf einer Hochebene auf 800 m Höhe,im Hintergrund die Berge Galiciens.Ueber einen müssen wir übermorgen rüber.Die Sonne wärmt jetzt stärker,ich ziehe die Jacke aus.Ohne Wind könnte man im T-Shirt laufen.Die Orte sind teilweise verfallen,es wird nichts abgerissen,daneben stehen neue Häuser.Menschen sieht man selten, höchstens mal ein paar alte.Ein einziges Auto ist uns heute begegnet.Uns bedeutet Volker und ich,mit ihm laufe ich große Teile der einzelnen Etappen.So habe ich Unterhaltung,aber jeder geht auch mal für sich allein.Die Herberge heute ist sehr einfach und kalt.Das ist eigentlich schade,dass man immer friert,keine gescheiten Pausen machen kann ( heute war eine Ausnahme),nach einer Etappe mit 8 Grad in ein Restaurant kommt,in dem es noch kühler ist.Da ist das Highlight von gestern Abend hervorzuheben,wo es auch einen Ofen gab.Und natürlich das prima Essen.Da noch keine Bilder,hier die Menüfolge:Fischpastete, Gemüsesuppe,Fleischplatte,Moussetorte und Eis.Dazu Wein,Wasser und Schnaps oder Kaffee.Alles für 12 € . Die Füße tun nach einer Etappe natürlich weh,erholen sich bis zum nächsten Morgen aber.Muessen sie auch, denn nach meinen Berechnungen habe ich noch sechs Etappen vor mir,bis ich Ourense erreiche.

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22.Etappe:Santa Marta – Rio Negro del Puente (30 km)

Wieder ein eiskalter Morgen.Ich mache einen Umweg zum nächsten Ort und kaufe ein.Ausserdem ziehe ich Bargeld am Automaten,der zweite funktioniert und gibt Geld heraus.Ueber Feldwege stoße ich wieder auf den Pilgerweg und treffe Volker.Zusammen wandern wir an einem schönen See vorbei.Dir Etappe zieht sich,endlich kommen wir an.Die Herberge ist das historische Pilgerhospital, möchte nicht wissen, wie viele Pilger im Laufe der Jahrhunderte hier gelegen haben.Gegenueber liegt ein hochgelobtes Restaurant,da wollen wir heute essen.Hoffentlich gibt’s nicht wieder so einen Reinfall wie gestern.Nachtrag: Für 12€ gab’s ein Pilgermenü vom Feinsten.Bilder folgen,sobald ich wieder WLAN habe.

Via de la Plata

22.Etappe: Tabara – San Marta de Tera (23 km)

Kann man in Spanien verhungern? Man kann,wenn man sich so dämlich wie ich anstellt. Gestern war ich zu faul zum Einkaufen und zu bequem,mir die heutige Etappe anzuschauen.Das Frühstück in der Herberge war wie immer zum Abwinken,ein paar Kekse und Kaffee.Gestern Abend gab’s Paella,aber da spät noch eine Gruppe italienischer Pilger eintraf, war das Essen knapp kalkuliert.Also hatte ich heute Hunger und zwar richtig.Kurz vor Sonnenaufgang begann die Wanderung,der Boden nach der eisigen Nacht gefroren.

Kaltstart

Es ging durch Korkeichenwälder hoch und runter, erst ganz allmählich wärmte die Sonne,zumindest ein wenig.Der Schotterweg ging mir langsam auf den Senkel, für meine Füße nicht sehr angenehm.

Gift für die Füße

Inzwischen hatte ich mir auch an den Fersen Blasen gelaufen, mein Vorrat an Blasenpflastern war allerdings aufgebraucht.An einer Abzweigung gab’s die Möglichkeit zwischen zwei Wegvarianten.Beide durch Orte,davon in einem eine Bar.Mir war schon ganz flau.Der Hospitalero hatte uns gestern erklärt,welche Variante zur Bar führt,allerdings auf Spanisch.Ich wählte die rechte und kam in ein ausgestorbenen Dorf ohne Bar

Also weiter.Auf und ab.Endlich erreichte ich das Etappenziel und ging zur Herberge,der einzigen Unterkunft im Ort.Zum Glück war ich früh dran, später kamen noch etliche Pilger,aber da war die Hütte schon voll.Alternativen:Mit dem Taxi zurück zum Startort und morgen wieder hierher oder 15km weiterlaufen.Blieb mir erspart.Vorm Duschen und Auspacken gingen wir schnell in das einzige Restaurant,bevor das auch zumachte.Wie immer dauerte es,bis wir die Speisekarte übersetzt hatten.Ich bestellte ein Kotelett und bekam ein großes Stück Fleisch mit paar Pommes dazu.

Mein Mittagessen

Sah gut aus,war aber ziemlich fett und sehnig und die 17€ nicht wert. Für 5€ kamen wir in der sehr schönen und modernen Herberge neben der Kirche unter.Hier soll auch die älteste Jakobusstatue Spaniens stehen.Auf dem Rückweg zur Herberge begann es zu hageln,die Gruppe Italiener kamen gerade an.Die wollen zelten!Das Abendessen werde ich ausfallen lassen,habe keine Lust,nochmal ein paar km in den nächsten Ort zu wandern.Aber für morgen habe ich vorgeplant:Nach 5 km kommt ein Ort mit zwei Supermärkten, da werde ich mich eindecken.