Via de la Plata

21.Etappe: Granja – Tabara ( 26 km )

Kalt.Sehr kalt.So geht’s früh am Morgen aus Granja raus.Hier teilt sich der Weg.

Ich gehe links Richtung Ourense.Die Stöcke packe ich in den Rucksack,trotz Handschuhen sind die Finger eiskalt.An einem See gibt’s 2 Moeglichkeiten zum Weitergehen.Entweder auf einem schwierigen Trail am See entlang oder Straße.

Straße hatte ich schon zur Genüge.Die Landschaft ist wirklich schön,es ist zwar sonnig,aber kalt.

Nach 18 km kommt ein Ort mit Bar.Der Wirt ignoriert uns,mir ist das zu dumm,ich gehe weiter.Noch 8 km bis Tabara,hier ist Markt.Die öffentliche Herberge liegt am Ortsrand und wird von einem Schriftsteller geleitet.Abendessen, Frühstück, Wäsche waschen,alles auf Spendenbasis.ich denke,20€ ist es das wert.

Kürbisse,die früheren Trinkgefäße der Pilger

Auch die Heizung funktioniert,wenn nicht grade ein Pilger den Stecker rauszieht um sein Handy zu laden.Heute Nachmittag waren wir in einem Cafe mit Wintergarten,herrlich warm,nur Kuchen gab’s nicht,nur das übliche verpackte Süsszeug.Es ist schon unglaublich,was hier an Müll produziert wird (und einfach in den Straßengraben geworfen wird).Jetzt warten wir alle aufs Abendessen und dann heißt es gute Nacht.

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20.Etappe:Montemarta – Granja de Moreruela ( 23 km)

Der Morgen ist kalt.Wir frühstücken zusammen, dann geht’s raus aus dem Ort.

Auch nach Sonnenaufgang dauert es lange,bis es etwas wärmer wird und ich Handschuhe und Mütze ausziehen kann.Zudem bläst mir ein kalter scharfer Wind ins Gesicht.Der Weg führt teilweise neben Straßen entlang,teilweise durch offenes Gelände.Da es hier keine Industrie gibt,ist die Luft sehr klar und man kann weit sehen.

Gegen Mittag mache ich Pause in einer typisch spanischen Bar.Es gibt Cola und ein Baguette mit heißen Fleischscheiben.

Typische Bar in Spanien

Meine Füße sind soweit ok. und ich bin heute recht fit.So sind die 23 km zügig zurückgelegt.In Granja de Moreruela suche ich die Herberge, für 6€ gibt’s ein Bett mit frischem Einmalbezugslaken.Nach und nach treffen die anderen ein, bald erfüllt nachmittägliches Schnarchen den mäßig beheizten Schlafsaal.Jetzt heißt es warten,bis der Laden aufmacht und ich mein Abendessen und den Proviant für morgen einkaufen kann.

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19.Etappe:Zamora – Montemarta (20 km)

Die Nacht war grauenhaft.Der Spanier neben mir schnarchte ununterbrochen,trotz Ohrstöpsel könnte ich nicht schlafen.Ziemlich gerädert ging’s dann früh aus Zamora raus,vorbei an Industriegebaeuden, Müllhalden und den zahlreichen im Straßengraben entsorgten Kühlschränken, was hier anscheinend normal ist.Dann ging’s ins Feld und der Weg wurde wieder schön.Eine Blase drückte immer noch, zum Glück war die Etappe nicht so lang.Montemarta ist eines der üblichen spanischen Dörfer,kaum Menschen zu sehen.Landwirtschaft ist hier vorherrschend.An einer Stelle passierte ich die Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid- A Coruna. auch ein Zug zischte leise vorbei,war sehr beeinduckend.Wir buchten uns im Casa rurales Tio Bartoldo ein,quasi ein Ferienhaus mit Küche.Heute musste ich ran : Ich habe den anderen erzählt,dass ich daheim auch mal koche.Also gab’s Spaghetti mit Hackfleisch Soße.Ich kaufte ein und das Fleisch briet sich fantastisch.Richtig gutes Rindfleisch.Allen schmeckte es und der Koch war zufrieden.Ab morgen habe ich wieder genügend Datenvolumen,dann werden die Bilder nachgereicht.Morgen komme ich auch an den Ort, wo sich der Weg teilt.Geradeaus geht’s auf d e n Jakobsweg, links auf den Camino Sanabres, dem ich folgen werden.Santiago werde ich nach meinem Zeitplan nicht erreichen,aber das war von Anfang an nicht unbedingt mein Ziel.In der Osterwoche wird da zu viel los sein.Ausserdem laufen sehr viele Spanier erst in Ourense,meinem Zielort,los ,um die letzten 100 km bis Santiago zu pilgern und damit die Bescheinigung zu bekommen.Entsprechend voll werden die sowieso nicht zahlreichen Herbergen sein.Da ich schon mal in Santiago war,die Kathedrale und den Weihrauchkessel gesehen habe, brauche ich da nicht mehr hin.Selbst ohne meine Fussprobleme wäre es zeitlich knapp gewesen.Also werde ich von Ourense aus mit dem Bus nach Porto fahren und mir die Stadt anschauen,bevor es von dort aus nach Hause geht.

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18.Etappe: El Cubo – Zamora ( 32 km)

Das Frühstück war genauso gut wie gestern das Abendessen.Die Sonne ist noch nicht aufgegangen,als ich den menschenleeren Ort verlasse.Nach zwei Sandalenetappen habe ich heute meine Wanderschuhe an.Die Problemzonen machen keine Schwierigkeiten,aber nach 15 bis 20 km wird’s doch ein bisschen eng in den Tretern.Der Weg ist sehr schön,immer weite Ausblicke.Ich laufe zügig und erreiche nach zweieinhalb Stunden einen Ort,der eine Bar hat.Kaum sitze ich, schließen auch die anderen auf..Dann wird es warm und der Weg zieht sich.Schon aus 10 km Entfernung kann man Zamora sehen,aber es dauert noch, bis ich endlich da bin.Die Füße qualmen und die linke Schultern schmerzt vom Rucksack.Zamora hat eine sehr schöne Altstadt und es sind doch etliche Leute unterwegs.Die Herberge ist heute eine echte Jugendherberge mit allen Covidmassnahmen.Keine Decken,heute Nacht muss ich alles anziehen was ich habe,um in meinem dünnen Fleeceschlafsack nicht zu frieren.Neben mir liegt ein spanischer Radpilger🚴,den ersten,den ich treffe.Alle sind ausgesprochen freundlich ( bis auf einen Bauern heute morgen,der auf einem völlig heruntergekommenen Bauernhof rumbloekte und seinen Hund auf den vor mir gehenden Pilger hetzte,als der fotografierte.)🐕Das Abendessen kommt aus dem Supermarkt,viel Hunger habe ich nicht.Morgen gibt’s hier Frühstück und dann kann die nächste Etappe kommen.An dieser Stelle möchte ich mich auch mal herzlich für die Kommentare bedanken.

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17.Etappe: Valdunciel – El Cubo del Vino (21 km)

Die heutige Etappe ist ereignislos und monoton.In der Nacht hat es geregnet,ich wähle die „Regenumleitung“ entlang der N -630,da ich heute nochmal in Sandalen gehe und der andere Weg etwas aufgeweicht ist.In der einzigen Bar des Startortes gab’s das übliche Frühstück:Cafe con leche mit einer halben gerösteten Baguettehälfte,dazu Butter und Marmelade.Ich hatte ziemlichen Hunger,da ich Tags vorher wenig gegessen hatte.Die Öffnungszeiten der Läden,wenn es sie denn gibt, sind nicht sehr pilgerfreundlich.Morgens machen sie spät auf,mittags zu,wenn ich ankomme und erst wieder gegen 18 Uhr auf.Der Vorteil ist,ich habe das Gefühl,schon ein paar Pfuendchen abgenommen zu haben. Viel Schlaf gab’s auch nicht,die Schnarcherei war zu laut.Trotzdem lief es heute ganz gut,aber mehr will ich mit den Sandalen auf Asphalt nicht laufen.Fuer diese Nacht haben wir ein Dreierzimmer, Noud kommt später dazu,er läuft die gesamte Etappe von gestern und heute in einem Rutsch.Ich hoffe nur,dass das Schnarchen des anderen Pilgerfreundes sich heute in Grenzen hält. Das Abendessen war ausgezeichnet,Suppe,Fleisch Gericht, Obst,dazu Getränke.wir hatten in unserer Runde noch schöne Gespräche,es ist interessant,warum die einzelnen Pilger diesen Weg gehen.

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16,Etappe:Salamanca – Valdunciel ( 16 km )

Es ist kalt,als ich heute morgen Salamanca verlasse.

Das Gehen in den Sandalen klappt besser als befürchtet.Ich habe sie so groß gekauft,dass noch die Einlagen reinpassen.Diese bieten zusätzliche Dämpfung und so mache ich mich auf den Weg.Jetzt,wo der Druck vom Zeh wegfällt,sind die Beschwerden minimal.Es geht der Straße entlang vorbei an der Stierkampfarena zu den Außenbezirken der Stadt.Dann erreiche ich das offene Land.Hier sieht’s so aus,wie ich mir die Extremadura vorgestellt hatte: Flach und weit.Aber das ist Kastilien.

Das Gehen ist etwas ungewohnt,aber ich komme voran.Als Brotzeit gibt’s Baguette mit Avocado und Käse belegt.

Nach 4 Stunden bin ich in Valduciel,einem kleinen Nest.Die Herberge ist,wie sollte es auch anders sein,saukalt.Ich bin irgendwie erschöpft und schlafe 4 Stunden.Im Aufenthaltsraum sind 3 Heizquellen,alle aus oder betriebsunfähig gemacht.Der Router ist angeblich kaputt, also kein WLAN.Mein Datenvolumen ist aufgebraucht,so dass ich heute keine Bilder mehr hochladen kann.Die Herbergen sind zwar billig,aber lieber sollten die Betreiber mehr verlangen und dafür heizen z.Bsp. Mit den Pilgern wird trotzdem ein gutes Geschäft gemacht.

Gestern waren wir in einer richtigen Tapas Bar und das Essen war ausgezeichnet.Da sieht man erst mal,was in den normalen „Restaurants“ serviert wird.Meistens verpflege ich mich selbst,gucke,dass ich Obst und Joghurt bekomme,dazu Baguette,Schinken und Käse.Ab und zu Tortillas und Empanadas.Vermissen tue ich Nudeln in allen Variationen!

Morgen stehen 20 km auf dem Programm.Die werde ich auf jeden Fall mit Sandalen laufen,trotz angekündigtem Regen.Danach kommen 31 km die nicht abkuerzbar oder unfahrbar sind.Vielleicht kann ich dann wieder meine Wanderschuhe tragen.Aber im Moment plane ich von Tag zu Tag.

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Zwangspause

Gestern bin ich ins nahegelegene Krankenhaus gegangen und habe meinen rechten Fuß untersuchen lassen.Meine Angst war,dass er sich entzünden würde. Es wurde keine Infektion festgestellt,desinfiziert,dicker Verband drum,110€ bezahlt und das war’s.

Umständlich war die ganze Prozedur wegen der Sprache.Aber letztendlich hieß es,schonen,bis alles verheilt ist.Meine Bindehautentzündung würde auch heilen ohne Antibiotika.

Heute morgen bin ich dann zu Decathlon mit dem Bus gefahren,habe mir Sandalen gekauft,das einzige Schuhwerk,in das meine Füße reinpassen.Ob ich damit wandern kann, weiß ich noch nicht.

Also schone ich mich und plane von Tag zu Tag.Auf jeden Fall muss ich die Etappen kürzer halten.Von den anderen der Gruppe habe ich erfahren,dass manche auch den Bus genommen haben oder ganz aufgehört haben.Die Bedingungen sind dieses Jahr halt schwierig.Morgen gucke ich mir die Altstadt an und hoffe,dass es Montag oder Dienstag weitergeht.

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Salamanca

Als ich heute morgen aufwachte, war mein linkes Auge verklebt und rot.Da ich unter dieser verd…. Klimaanlagenheizung gelegen hatte und der Luftstrom genau auf meinen Kopf gerichtet war, tippte ich auf Bindehautentzündung.Wurde später in der Apotheke bestätigt .Tropfen und warten ob’s besser wird,sonst zum Arzt gehen.Der rechte Fuß sieht immer noch übel aus,also trennte ich mich von der Gruppe.Die 13 km zum nächsten Ort mit Busanbindung trampte ich,wartete 4 Stunden auf den Bus nach Salamanca und war um 15 Uhr da.Die 100 km führten über das Kastilische Gebirge,das Wetter war einfach nur grauenhaft.Eigentlich bin ich froh,dass ich da nicht drüber muss zu Fuss.Im Busbahnhof traf ich Vroni,eine Schweizerin,die ich schon vorher getroffen hatte.Sie zieht einen Karren hinter sich her,was aber jetzt nicht mehr bei den Verhaeltnissen geht.Sie fährt nach Porto und wandert dort die Küste hoch.Ich war froh, im Bus zu sitzen,der erste warme Ort seit 2 Wochen.

Busbahnhof in Plasencia
Endlich mal warm

In Salamanca buchte ich für 4 Tage ein Zimmer mit gescheiter Heizung.Hier werde ich meine Blessuren (hoffentlich) ausheilen können und evtl. andere Schuhe kaufen oder zumindest Sandalen,in dem der Fuß Platz hat.Die Stadt sieht auf den ersten Blick schön aus,was man nicht von allen Städten hier sagen kann.Also,ich hoffe ,dass alles so klappt,wie ich es mir vorstelle,dann bin ich am Mittwoch wieder auf dem Pilgerpfad.

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15.Etappe: Galisteo -Oliva de Plasencia (34 km, davon 18 auf der Straße)

Gäbe es für die heutige Etappe eine Überschrift, müsste diese lauten: Kampf gegen den Wind!Und zwar vom ersten bis zum letzten Schritt.Extremer starker Gegenwind, der mich manchmal fast umgeblasen hätte.Die ersten 11 km geht’s an der Strasset entlang nach Carcoboso,wo eine Kaffeepause fällig ist.Wie immer in den Bars ist das Geschrei kaum auszuhalten, obwohl keine 10 Leute in der Bar sind.Von hier führt der Weg nun durch schöne Eichenwälder und Viehweiden.Die Stiere gehen oft erst im letzten Moment zur Seite.

Hundebegegnungen verlaufen friedlich, die Tiere machen ihren Job aber gewissenhaft und bellen schon lange vorher.Die Landschaft ist schön,Nieselregen und Sonne wechseln sich ab,aber der Wind!!! In der Ferne sind die Berge Kastiliens zu sehen,da müssen wir noch drüber. Meine Füße sind wie immer:Alles tut weh.Dann kommt der Abzweig zur Herberge.Das bedeutet nochmal 7 km Straße bei starkem Verkehr.

Zufällig ohne Auto

Endlich erreiche ich den Ortseingang des kleinen Dorfes. Begrüßt werde ich von einem Pferd.

Hätte ich heute zum Reiten gebraucht
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14.Etappe: Canaveral – Galisteo ( 28 km )

Nach dem Ruhetag geht’s heute nach einem sehr guten Frühstück los Richtung Galisteo. Meine Füße schmerzen,und zwar da wo die Fersen den Boden berühren.Die Blasen sind nicht so wichtig.Gestern kamen alle völlig erledigt und nass an.

Schuhe trocknen

Heute sieht der Himmel zunächst bedrohlich aus,aber es bleibt meist trocken.

Wie im Regenwald

Der Weg ist beschwerlich, der Boden durch das Unwetter gestern aufgeweicht.Baeche sind zu durchqueren, was in diesem Fall gut geht.

Sieht leichter aus als es ist für Volker

Es gibt keine Verpflegungsmöglichkeit auf der gesamten Strecke.Ich habe zwar gut gefrühstückt ,aber die Gehzeit heute beträgt gut acht Stunden und langsam kriege ich Hunger .Am Ziel suchen wir die Herberge,verlaufen uns.

Galisteo

Wir gehen nach dem Einchecken was trinken und dann einkaufen fürs Abendessen.Kaese,Wurst,Tomaten,Brot,Wasser und Wein,dazu Zitronentee.Das wird langsam unser Lieblingsgetränk, aus frisch gepressten Zitronen.

Zur Zeit ist das Pilgern eine ziemliche Schinderei für mich, ich hoffe,dass die Füße langsam besser werden.Meine Einlagen kann ich nicht tragen,weil die Füße geschwollen sind und die Schuhe zu eng werden.Dafuer höre ich den Tinnitus tagsüber eigentlich gar nicht.So gesehen ist das Pilgern eine gute Therapie.

Gute Nacht