Via de la Plata

3.Etappe: Castilblanco – Almaden de la Plata ( 29 km )

7.30 Uhr, 8 Grad, windstill. Die heutige Etappe besteht aus zwei völlig gegensätzlichen Teilen. Der erste Abschnitt: 16 km auf der Straße, mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.

Die Straße verläuft in einem ständigen Auf und Ab, gegen 11 Uhr bin ich am Eingang zum Naturpark Sierra Norte. Jetzt beginnt eine wunderschöne Landschaft mit Steineichenwälder und guten Wegen.Ausser den paar Pilgern ist niemand hier.

Ich mache Mittagspause, luefte meine Füße und esse ein Schinkenbrötchen. Die Lieferanten habe ich grunzen gehört, aber noch keins gesehen.Nach 27 km geht es noch mal steil hoch zum Kalvarienberg.

Ist steiler als es aussieht

Nicht alle schaffen es, das ist das erste Kreuz, aber nicht das einzige.

Oben angekommen, hat man einen herrlichen Blick über die hügelige Landschaft. Nach einem Kilometer bergab ist Almaden erreicht. Die privaten Herbergen sind dicht, der Supermarkt zu, es ist hier tote Hose. Ich habe Hunger, aber in den Bars oder Restaurants, wenn sie denn offenhaben, braucht man vor 7 oder 8 Uhr nicht auftauchen.Uebernachten tue ich wie alle anderen Pilger auch in der Albuerge municipal, eine Art Jugendherberge.Das Wetter war heute herrlich, die Füße haben auch durchgehalten soweit ich das beurteilen kann. Jetzt noch was zu futtern, dann bin ich zufrieden.

Via de la Plata

2. Etappe: Guillena – Castilblanco de los Arroyos (19 km)

Recht gut geschlafen. Ein freundlicher spanischer Mitpilger kocht für mich mit Kaffee, allein hätte ich die Maschine nicht in Gang bekommen. Nach Verlassen des Ortes wird die Landschaft schön: Olivenhaine und Orangenplantagen. Es geht heute langsam aber stetig bergauf. Bis 10 Uhr wandere ich mit Jacke, bis 11 im Pulli und danach im T-Shirt. Ausserdem schmiere ich mich gut mit Sonnencreme ein. Es sind nur wenige Pilger unterwegs, die Holländerin ( muss nach ihrem Namen fragen) läuft schneller als ich, macht aber mehr Pausen. Mit ihr kann ich ein paar Worte auf Deutsch wechseln, ansonsten mache ich mich mit Händen und Füßen verständlich.

Gegen 14 Uhr komme ich ans Ziel, miete mich in einem Einzelzimmer ein und wasche ein paar Sachen durch. Später gehe ich einkaufen.Die Füße haben soweit mitgemacht, morgen kommt die erste große Bewährungsprobe: Erst 16 km Straße,dann noch 12 km bergauf.

Via de la Plata
Ziel fast erreicht(das heutige…)
Via de la Plata

1.Etappe: Sevilla – Gillena (23 km)

Pünktlich um halb acht stehe ich abmarschbereit vor der Kathedrale und was soll ich sagen: Es regnet! Und bis zum frühen Nachmittag sollte es auch nicht mehr aufhören.

Start im Regen

Beim Rausgehen aus der Stadt verlaufe ich mich etwas,als ich dann den Guadalquivir überquere, sehe ich die ersten Zeichen.Ab hier ist es dann prima markiert.

Der Weg aus der Stadt bis Santiponce ist ätzend, Industrie, Müll, Autobahnen, an Strassen entlang. In Santiponce frühstücke ich erst mal und will mir die römischen Anlagen anschauen.Sind aber zu.

2€, da kann man nicht meckern

Nach 10 km öffnet sich die Landschaft,es geht weg von den Straßen und es wird sehr ruhig.Der Weg läuft schnurgerade nach Norden und ich kriege ein Gefühl dafür, was mich die nächsten Wochen erwartet.

Der Regen hört auf,es wird wärmer. Nach ca. 23 km erreiche ich Guillena und suche die Albuerge de Luz, eine private Pilgerherberge. Für 12 € gibt’s ein Bett und morgen Frühstück.Es ist doch ganz schön Betrieb hier, etwa 10 Pilger. Außer einer Holländerin,die gut Deutsch spricht, höre ich hier nur Spanisch.

Allzu oft werde ich wohl nicht in solchen Unterkünften nächtigen

Für den ersten Tag ist’s genug, ich spüre meine Beine und Füße. Erfahrungsgemäß wird sich in zwei bis drei Tagen zeigen, wie’s mit Blasen aussieht.

Via de la Plata

Stadtbesichtigung

Habe gut geschlafen,morgens weckt mich eine der vielen Glocken.Bis 10 Uhr ist es noch recht frisch, dann wird’s warm.Ich schlenderte durch die Stadt,trinke Kaffee ( ist hier sehr gut und preiswert) und lass mir die Sonne auf den Pelz scheinen.

Ein paar Bilder:

Heute maritimes Museum
Verhungern braucht man hier nicht
Das höchste Gebäude Sevillas, passt nicht so recht zur Stadt
Die Kathedrale. Hier geht’s morgen los ( zu Fuss)

Die Stadt gefällt mir, sehr entspannt, weiträumig,mit Palmen und Orangenbäumen. Für mich als Radfahrer: Sehr gute Radweginfrastruktur mit vielen Radlern und E-Scootern. Ist allerdings auch schön flach.

Ich packe meinen Kram für morgen zusammen. Sobald es hell wird, will ich losgehen.

Via de la Plata

Anreise

Mit halbstündiger Verspätung hebt der vollbesetzte Airbus der Lufthansa in Frankfurt ab.Der Flug ist ueberbucht, hätte 400 € bekommen,wenn ich später geflogen wäre.Allerdings habe ich zu lange überlegt,zwei andere waren dann schneller. Mittags bin ich in Sevilla,hier herrschen Temperaturen von 20 Grad und die Stadt ist voller Menschen. Bars und Restaurants reihen sich aneinander und alle sind rappelvoll mit Gästen. Mein Hotel liegt sehr zentral nahe der Kathedrale.Einen ersten Stadtrundgang verbinde ich mit dem Kauf des Pilgerpasses,der mich nun (hoffentlich)bis Santiago begleiten wird.An das warme Wetter muss ich mich erst gewöhnen,obwohl zum Start der Wanderung am Dienstag Regen und Abkühlung vorausgesagt wird. Mal sehen…Es ist schon ein komisches Gefühl sich vorzustellen, sechs Wochen lang jeden Tag zu wandern.

Die Menschenmassen in der Stadt erschlagen mich,bin sowas nicht mehr gewöhnt.Ich kaufe mir noch was zum essen und gehe zum Hotel zurück.Obwohl mitten in der Altstadt gelegen, ist es sehr ruhig. Aber ich will den Tag nicht vor dem Abend loben.

Mein Pilgerpass

Via de la Plata

Via de la Plata

Idee und Planung

Als ich 2005 im Rahmen meiner Weltreise in Südamerika war,habe ich mir geschworen:Nie wieder in ein spanischsprachiges Land ohne Sprachkenntnisse! Wie das so ist mit Vorsätzen….

Also,kurze Zeit später,2019, habe ich eine Woche lang einen Intensivkurs besucht,anschliessend an der VHS einen Anfängerkurs.Bald darauf kam Corona und alles ist im Sande versickert.Die Idee dahinter war,im Frühling eine längere Wanderung zu machen,flach und ohne Zelt.Angeregt durch Beiträge im Pilgerforum kam mir der Gedanke,die Via de la Plata zu laufen,vor allem,weil ich es bei meinen Wanderungen lieber einsam mag und dieser Pilgerweg wenig begangen wird.Ausserdem ist er der längste aller Jakobswege.

Zwei Jahre später…. nun scheint es doch zu klappen.

Spanisch kann ich immer noch nicht,dafür gibts an meiner Ausrüstung nicht viel zu ändern.Den Zeitrahmen,6 Wochen, bestimmten die günstigsten Flugpreise der Lufthansa:Abflug 6.März ab Frankfurt,Rücklug 14. April von Porto aus.Andere Anreisemöglichkeiten sind umständlich und auch teurer und sooo oft fliege ich ja nicht.

Planungshilfen sind das Outdoorhandbuch Via de la Plata und das Internet (vor allem die(man beachte)nur auf Spanisch verfügbare Website von gronze.com.Problematisch könnte es mit den Unterkünften werden,viele öffentlichen Herbergen sind geschlossen.Aber ich nehme es,wie es kommt.