Mozzarabischer Jakobsweg

Tag 23: Torresfresneda – Merida

Natürlich war ein Schnarcher unter meinen Zimmergenossen,und was für einer!Also kommen meine neuen Ohrstöpsel zum Einsatz und sie sind schalldicht.

Noch 25 km bis Merida. Wäre es nicht die letzte Etappe, würde ich mit dem Bus fahren.Der Weg führt fast komplett neben der Autobahn entlang,mit all den lauten Fahrgeräuschen.

Dann fängt es an zu regnen,ich erreiche eine Tankstelle und sitze den Großteil des Wolkenbruchs aus.

Kaum unterwegs, geht’s wieder los.Hin und her,Regen,kein Regen.Die einzige Abwechslung unterwegs ist eine tierische Begegnung:

Endlich biegt der Weg von der parallel verlaufenden Autobahn ab und nähert sich Merida.

Eigentlich wollte ich mit Erreichen der Stadt ein “ Siegerfoto“ mit Stadtnamen machen,aber ich komme über wenig ansehnliche Vororte nach Merida.Ein letztes Schild und dann bin ich am Ziel.

Meine Befürchtung,dass Bein , Hüfte und Rücken nicht durchhalten und mich zum Abbruch zwingen, haben sich nicht bewahrheitet.Damit ist der Hauptzweck dieser Pilgerreise erfüllt,so dass einem nächsten Camino nichts mehr im Wege steht (aber nur noch bei schönem Wetter 😀).

Mozzarabischer Jakobsweg

Tag 22: Medellin – Torresfresneda

Die Etappe heute war einfach nur Scheiße! Man kann es nicht anders ausdrücken.Erst 6 km Straße im Regen,dann 6 km durch Überschwemmungsgebiet und als Highlight 6 km auf dem Randstreifen der Nationalstraße.

Es ist mir ein Rätsel,wie man die Leute hier entlangführen kann.Der Verkehr ist höllisch,vor allem Lastwagen donnern an einem vorbei.

Hoffentlich kein Pilger

Nachdem ich heute morgen mal gezählt und hochgerechnet hatte,wie viele Bierdosen im Straßengraben lagen ( ca.300 auf hundert Meter),sehe ich die spanischen Autofahrer mit etwas anderen Augen. Das Müllproblem ist gigantisch.Es müssen Abermillionen Dosen und Flaschen in Spaniens Straßengräben liegen.Da nichts aufgeräumt wird,sammelt sich immer mehr an.

Heute morgen traf ich an der alten Brücke von Medellin ein österreichisches Paar,also konnte ich mich zum ersten Mal auf deutsch unterhalten.

Die Herberge im Zielort ist klein,aber ok.Es sind mehr Pilger jetzt unterwegs.Ich habe für morgen ein Zimmer in Merida gebucht,im gleichen Hotel,wo ich auch bis Sonntag bleibe.Nuria hat geschrieben,dass sie in Merida das letzte Bett in der Herberge bekommen hat,und dass um 13 Uhr.

Inzwischen ist die Bude hier voll.Der erste Deutsche ist auch dabei.Ich denke,es wird Zeit,dass die Reise zu Ende geht.

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Tag 21: La Haba – Medellin

Der angekündigte Regen fiel in dem Moment,als ich im Hostel La Cabana in Medellin eincheckte. Nicht viel,aber immerhin.Nachdem am Morgen noch schönes Wetter war, zogen bald dunkle Wolken auf.

Die 7 km bis Don Benito waren ok,dann ging’s rein in die grosse Stadt.Baustellen,Autos und der ganze Trubel.Ich frühstückte,hob Geld ab und raus ging’s.Die Wegebauer des Caminos versuchen,die Pilger möglichst gefahrlos aus der Stadt zu bringen.Es geht durch Industriegebiete,kilometerlang an stinkenden Wassergräben entlang.

Der Straßenbelag macht meinen Füßen immer mehr zu schaffen.

Füße mordend

Obwohl die Etappe nur 18 km lang und flach ist, bin ich ziemlich geschlaucht.In der Ferne taucht die Burgruine von Medellin auf.

Burg Medellin

Es gibt hier wie in Merida ein römisches Theater mit Museum.Und einen Supermarkt im Ort.( eher ein Dorfladen)

Das Einchecken im Hostal erfolgt vollelektronisch wie am Bahnkartenautomat.Das Zimmer ist funkelnagelneu und von großer Qualität.Das Ganze für 30€.🌞 Das ist allerdings der Sonderpreis für Pilger,sonst kostet es 70€.

Duschen, Wäsche waschen, Fußpflege,ein kleiner Mittagsschlaf und warten, dass der Supermarkt aufmacht.

Das Frühstück morgen früh ist im Zimmerpreis inbegriffen.Was will man mehr?

Als ich um 17.30 Uhr zum Laden maschiere,regnet es in Strömen.Ein starker Wind weht und es hat empfindlich abgekühlt.

Sieht ganz so aus,als ob meine Pilgerreise so enden würde wie sie angefangen hat.

Mozzarabischer Jakobsweg

Tag 20: Campenario – La Haba

Pilgern mit einer Gruppe heißt immer Gemeinschaft auf Zeit.Man weiß es,trotzdem fällt der Abschied von meinen Mitwandereren heute morgen schwer .

Es ist sehr ruhig,die frühen Morgenstunden sind mir am liebsten.Der Himmel ist bewölkt und es ist kühler als die Tage zuvor.Auf gutem Weg geht’s leicht bergauf,vorbei an einem Schweinemastbetrieb mit entsprechendem Geruch.

Lebender Serranoschinken

Ich nähere mich Magacela.Von der Lage her bestimmt der spektakulärste Ort meiner Tour.

Und so sieht das Ganze von hinten aus:

La Haba ist ein kleiner Ort,hat aber einen Laden.Man muss solche Dinge vorher recherchieren,sonst heißt es hungern.

Dann auf zur Albergue.

Ich gebe die Sätze,die ich sprechen will,in meine Übersetzungsspp ein, übe ein wenig und rufe dann an.Alles klappt,5 min später kommt die sehr freundliche Hospitalera (?) mit dem Schlüssel.Ich bin allein im Zimmer,das norwegische Paar,das später kommt,hat ein eigenes.

Himmlische Ruhe.Ich hole fehlenden Schlaf nach.Die heutige Etappe war nicht besonders lang oder schwer,aber irgendwie fühlte ich mich nicht richtig fit.Der harte Untergrund der letzten Tage macht meinen Füßen doch zu schaffen.

Erstaunlicherweise ging es heute zum Schluss mal nicht steil bergauf, dafür war die letzte der ca. 50 “ Pfützen“ besonderes tückisch.Also mal wieder nasse Füße.Aber es ist ja nicht mehr weit bis zum Ziel.

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Tag 19: Castuera – Campenario

Castuera ist die Welthauptstadt des Schafes.Es gibt sogar eine eigene Schule,wo man das Schafscheren lernen kann.Wir verpassen den landesweiten Wettbewerb um einen Tag.

Der Weg verläuft relativ flach auf gut begehbaren Grund .Am frühen Nachmittag bin ich am Ziel.Da die Gemeindeherberge ziemlich mies sein soll,quartieren wir uns im alten Bahnhof ein.Eine Kolumbianerin  betreibt hier ein Hostal,etwas außerhalb des Ortes.Hier halten noch Züge 🚆.

Im Bahnhof

Dies ist mit Abstand die coolste Unterkunft bis jetzt.Wir bekommen ein Drei-Gang-Menü,die Bar wird extra für uns geöffnet.Nuria,Ron und ich sind die einzigen Gäste.Abends esse ich die Vorspeise des Dinners noch einmal.45€ für Vollpension,da kann man nicht meckern.

Ich nutze den Nachmittag für weitere Planungen.Hotel in Merida,Hotel in Madrid und Hostal für übermorgen.Dann brauche ich noch ein Zug- oder Busticket nach Madrid.Zuege sind ausgebucht ,zum Glück und mit Nurias Hilfe erhalte ich noch einen Busplatz für Sonntagmorgen.Es ist alles kompliziert und umständlich.

Ab morgen gehe ich allein weiter,die anderen beiden machen eine längere Etappe.Also heißt es Abschied nehmen.

Vor unserer Unterkunft

Mit einem herrlichen Sonnenuntergang klingt der Abend aus.

Die Lichter sind Magacela, 14 km entfernt.Da mache ich morgen Mittagspause
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Tag 18: Monterubio- Castuera

Die heutige Etappe verläuft fast komplett auf einem Landstraesschen, so das zum ersten Mal auf dieser Tour meine Füße trocken bleiben.Viel gibt’s nicht zu sehen, abgesehen von der Farbgestaltung dieses Spaniers:

Zwei kleine Pausen und gegen 13.30 Uhr bin ich schon in Castuera.

Immer dem Pfeil nach

Jetzt wird’s knifflig.Ich marschiere zur Herberge,niemand da.Nuria schickt einen Link,wo das Gebäude ist zum registrieren .Ich lande in der Notaufnahme des Krankenhauses.Mit viel hin und her stellt sich raus,dass nebenan im Altenheim die Prozedur erfolgt.Irgendwie klappt’s,ich zahle 8€ und erhalte den Schlüssel.Wieder 1 km zurück zur Herberge,wo Nuria eintrifft.Sie war noch essen,was um diese Zeit kompliziert ist.Auch die anderen Pilger werden per WhatsApp gesteuert.Heute hätte keiner von uns das alles allein geschafft.Gestern haben wir Nuria zum Essen eingeladen,als kleines Dankeschön.

Hanah und Nuria

Nach der üblichen Routine habe ich gewaltigen Hunger.Also auf zum einzigen Restaurant,wo man um 16 Uhr was zu essen bekommt.Es liegt am Stadtrand beim Schwimmbad.Das Essen ist sehr gut, da haben sich die 3 km Fußmarsch gelohnt.

Inzwischen merke ich,dass ich fitter werde, außer es geht steil bergauf.Und das tut es hier.Dann japse ich ganz schön.

Zusammen mit den Stadtkilometern kamen so heute wieder gut 25 km zusammen.Die gestrige Etappe habe ich gut weggesteckt.Bis Merida sind’s noch fünf Etappen.

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Tag 17: Hinjosa – Monterubio de la Serena

Wenn die Schlafqualität ein Hinweis für die heutige lange Etappe sein soll,dann lässt der Tag nichts Gutes erwarten.Ein mieses Bett und eine Kirchturmglocke,die die vollen Stunden gleich dreimal im Abstand von je zwei bis drei Minuten verkündet ,plus natürlich die Zwischenzeiten.

Also geht’s früh los,der Rucksack voll mit Wasser und Essen,falls ich doch nicht trampe.Schon gegen 10 Uhr wird es richtig heiß,der Weg für ein paar Kilometer ziemlich übel.

Wie immer sind Bäche zu überwinden,im hohen Gras spürt man den Untergrund nicht und schon sind die Füße wieder nass.

Meine “ Vorgeherinnen“

Nach 20 km erreiche ich die Stelle,wo eine Alternative auf der Straße angeboten wird,um die Flussquerung zu vermeiden.

Ich bleibe auf der Straße und da die Knochen noch mitmachen,verzichte ich aufs trampen und wandere weiter.Trotz der Hitze trage ich ein Langarmshirt und Sonnenschutz( wg.Sonnenallergie)

Heiß ist’s

Nach 30 km erreiche ich den Zielort.Hier ist ein großes Fest zugange,das Fest des Olivenöls.

Herberge aufsuchen und die übliche Routine.Die anderen treffen kurz nacheinander ein,ziemlich gezeichnet.Wir wollen essen gehen,nirgends was zu kriegen.Dank Nurias Hilfe erbarmt sich ein Restaurantbesitzer und zaubert eine mächtig gute Fischplatte mit Salat auf den Tisch.

So klingt ein harter Pilgertag entspannt aus.Alle sind früh im Bett und froh,diese Etappe mehr oder weniger gut überstanden zu haben.Und morgen ist ein neuer Tag….

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Tag 16: Alcaracejos – Hinosja del Duque

Ich bin früh auf den Beinen und starte bei Sonnenaufgang.

Die erste Pause nach 4 km, Kaffee und Toastada,mein Standardfrühstück.Das Wetter verspricht herrlich zu werden.

Ich treffe Nuria bei einer Flussüberquerung, wieder mal nasse Füße.Sie macht beim nächsten Stopp ein Foto von mir:

Der Weg ist ziemlich flach,ich komme gut voran und gucke,was die Natur so zu bieten hat.

Gegen ein Uhr ist die 22 km lange Etappe beendet und ich registriere mich im Rathaus.Wie immer Personalausweis zeigen,diesmal auch meinen Pilgerpass,lange Erklärungen anhören ,die ich nicht verstehe und schließlich mit dem Schlüssel zur Herberge marschieren.Dann die uebliche Routine und einkaufen gehen.

Die Stadt ist recht ansehlich und auch größer als die letzten Orte.Nach und nach treffen auch die übrigen Pilger ein.

Es ist jetzt tagsüber schon ganz schön heiß 🌞 und erst mal kein Regen in Sicht.Die morgige Etappe ist 34 km lang ohne jede Versorgungsmöglichkeiten.Mein Plan ist,ca. 23 km auf dem Camino zu gehen,bis ich auf die Straße treffe, die nach Monterubio,dem Zielort führt.Dann trampen.Im schlimmsten Fall auf der Straße ins Ziel marschieren.Mal sehen,ob alles so klappt.

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Tag 14/15: Villaharta – Minas de Calatraveno – Alcaracejos

Seit 2023 lässt sich die sehr lange und schwere Etappe halbieren.Ich mache Gebrauch davon und erhalte von Rosa per WhatsApp die Zusage.Der Weg ist schwierig,mit Flussdurchwatung und vielen Höhenmetern.Allerlei Getier am Wegestand,tot und lebendig.

Zwei Esel auf dem Jakobsweg
Unterkunft

Auch die anderen Pilger übernachten hier.Es gibt prima Essen und es ist sehr gemütlich.Hier wurde früher geschuerft und das Haus ist ein altes Minenarbeiterhaus,mitten in der Pampa.Abens sitzen wir gemütlich am Kamin,zwei Norweger,eine Spanierin,eine Holländerin,ein Amerikaner und ich.

Drei meiner Mitpilger

Am nächsten Morgen geht’s weiter.Die Wegbeschaffenheit lässt sehr zu wünschen übrig.

Dann kommt die zweite Flussüberquerung,die Steine sind z.T. unter Wasser.Also Schuhe, Strümpfe und Hose aus und rüber.

Es ist mir ein Rätsel,wie man die komplette Etappe an einem Tag schaffen kann.Aber als ich später aus der Albergue gehe,sitzt vor der Tür ein junges Paar,die um 7 Uhr in Villaharta gestartet sind.Also eineinhalb Stunden vor und 18 km hinter mir.Trotzdem kamen sie nur 2 Stunden nach mir an,und das bei diesen Bedingungen.Ich brauchte manchmal eine Stunde für 2 km.

Aber ich bin zufrieden,dass alles noch so gut klappt.Die Landschaft ist schön,das Wetter ideal und die Vögel zwitschern.So durch das ländliche Spanien zu wandern,wo sich kaum Touristen hin verirren,hat schon was für sich.

An dieser Stelle einmal Dank an alle,die mitlesen und mich mit aufmunternden Kommentaren bedenken.

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Tag 13: Cerro Murriano – Villaharta

Es ist noch stockdunkel,als ich das Hostal verlasse und zur Bushaltestelle gehe.

Kein Mensch unterwegs um 6 Uhr morgens

Der Bus bringt mich aus der Stadt hoch nach Cerro Murriano.Das erspart mir 500 Höhenmeter.In der ersten Bar frühstücke ich und breche dann bei Sonnenaufgang auf. Der Weg führt durch eine Militäranlage und wird dann zunehmend schlechter.

Da muss man durch

Ich werde von Nuria,der Spanierin eingeholt, die ich schon in Castro getroffen hatte.Wir machen zusammen Mittagspause in El Vacar, wo ich mir ein sehr leckeres Kaffee-  stückchen gönne.

Die Etappe heute ist ziemlich flach, z.T. geht es auf der alten,nicht mehr befahrenen Straße entlang.

Müll ist immer ins Auge fallend,aber nicht immer so:

Ich kam von dem Ding fast nicht mehr hoch

Vor Villaharta geht es wie üblich noch mal steil bergauf.Es scheint ein umgeschriebenes Gesetz zu sein, dass alle Etappen zum Schluss noch mal hochführen.

Die Albergue ist sehr gut, mit Bettwäsche und allem,was man braucht. Wir sind zu fünft,ein norwegisches Paar,die Spanierin,eine Holländerin ( blond) und ich.

Insgesamt war die Etappe ok.Es hat heute morgen etwas gedauert,bis ich nach der längeren Gehpause wieder in die Gänge kam.Die Blase macht keine Schwierigkeiten mehr, dafür umso mehr die linke Hand.Anscheinend ist die alte Kapselverletzung am linken Daumengelenk wieder aufgebrochen.Da merkt man erst, für was man den Daumen alles braucht.