Neuer Beitrag · Usbekistan 2025

Xiva ( „oh, wie wohltuend“ )

Die historische Altstadt von Xiva ist komplett von einer Stadtmauer umschlossen. 700 m bzw. 400 m in alle Richtungen ist sie sehr überschaubar. Etwa 7000 Menschen leben noch hier, auch wenn es Pläne gab und gibt, sie umzusiedeln und aus der Altstadt ein Freilichtmuseum zu machen. Den meisten der vielen Touristen, die ich auf einem ersten Erkundungstrip sehe, wäre das vermutlich egal. Sie interessieren sich mehr für die zahlreichen Souvenierstände und für sich selbst.

Das Wahrzeichen von Xiva ist der unvollendete Turm. Er sollte einst das höchste Minarett Asiens werden, der Bau wurde aber aus unerfindlichen Gründen nach 29 m abgebrochen.

Ich schlenderte durch die Gassen,vorbei an vielen Medressen ( islamische Lehranstalten) und Mausoleen.

Pahlavon Maxmud ( 13.Jhrd) ist so was wie der Schutzheilige von Chiva, vergleichbar mit Jakobus ( Santiago de Compostella).Zu seinem ( im 19.Jhrd) neu erbauten Mausoleum kommen auch heute noch viel Pilger, um zu beten. Ich zahle 2 Euro Eintritt und bin beeindruckt. Neben dem Heiligen liegen hier auch Familienmitglieder der damaligen Khandynastie, die das Mausoleum errichteten.

Eines der ungewöhnlichsten Bauwerke in Xiva ist die Freitagsmoschee.Sie wird innen von reich verzierten, uralten Holzsäulen gestützt und wirkt von aussen unscheinbar. Die meisten Touristen ignorieren sie und widmen sich lieber den gegenüberliegenden Verkaufsständen.

Es weht ein etwas scharfer Wind,ansonsten ist es ziemlich warm. Ich setze mich öfter auf eine Bank und beobachte die Leute. Viele deutsche Gruppen, erstaunlich wenig Japaner oder Chinesen. Sobald man aus den zwei Hauptachsen mit den Souvenirshops raustritt, herrscht Ruhe.

Das Islom- Xo’ja Minarett ist der höchste Turm hier in Xiva. man kann über eine enge Wendeltreppe hochsteigen. Nix für mich.

Am frühen Nachmittag schlendere ich zurück zum Guesthouse.Ich gucke öfter in Seitengässchen, wo die normalen Leute wohnen.Man vergisst leicht, dass das hier kein Freilichtmuseum ist, sondern dass hier Menschen wohnen, die, wenn auch etwas abseits vom Touristenrummel, ihr Leben verbringen.

Am frühen Abend marschiere ich nochmal los, kaufe in der Neustadt im Supermarkt etwas ein und Bummel etwas ziellos umher. Google maps ist hier etwas ungenau, mir fehlt ein bisschen die Orientierung.

Gestern hatte ich anscheinend Glück mit meinem etwas abseits gelegenen Restaurant. Fast alle sind auf den Gruppentourismus ausgerichtet und die Rezensionen sind vernichtend: Schlechtes Essen, hohe Preise, unfreundliches Personal. Da bleibe ich meinem Restaurant „Sultan“ .

Was ist mein Fazit für heute? Xiva ist ein exotischer Ort, voll massentourismustauglich mit all seinen Effekten. Als Einzelreisender neigt man dazu, sich für einen “ besseren“ Reisenden zu halten und auf die anderen herabzublicken. Doch ich trage genauso wie die chinesische Dame, die auf einem Foto oben posiert zu den schädlichen Auswüchsen bei, auch wenn das kleine Mädchen, das von mir Geld will, dies auf äußerst charmante Art macht.

2 Kommentare zu „Xiva ( „oh, wie wohltuend“ )

  1. ich verfolge deine Abenteuer mit Spannung; da tut sich eine ganz andere Welt auf. Sehr eindrucksvolle Beschreibungen! Und deine Überlegungen zum Gruppen- und Einzeltourismus sind absolut richtig.

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