Neuer Beitrag

Samarkand

Nun also Samarkand, eine Großstadt, und die letzte der drei Touristenhochburgen auf meiner Reise. Jedenfalls bin ich froh, dass mein Transportmittel ein moderner chinesischer Reisebus ist und nicht eines der Reiseräder, die ich morgens beim Frühstück im Hof des Hotels sehe.

Zwei Minuten vor Abfahrt ertönt durch die Lautsprecher des Busses ein Gebet auf Arabisch. Ob es Gebetszeit ist oder es etwas mit der bevorstehenden Fahrt zu tun hat, weiß ich nicht. Geholfen hat es, denn wir kommen unversehrt in Samarkand an, auch wenn der Bus einmal ins Schlingern geriet. Die Fahrweise hier ist kriminell. Wichtigste Ausstattungsmerkmale sind Hupe, Lichthupe und Blitzer-Warner. Mich wundert, dass so wenig passiert.

Der Busbahnhof in Samarkand ist nach vier Stunden erreicht und ich nehme ein Taxi zum Hotel in die Altstadt. Ich bin etwas platt, habe schlecht geschlafen und auch noch Besuch von Montezuma gehabt.

Das Zimmer im Furkathotel ist ok und hat einen schönen Innenhof.

Günstig in der Altstadt gelegen sind es nur 5 Minuten zum Registan, DEM Platz in Usbekistan und ich muss sagen, ich bin schwer beeindruckt:

Registan ( die Minarette sind wirklich leicht schief)
Am Abend

Dem unbedarften Touristen ( also auch mir) mag es scheinen,als wären die drei Medressen ( Koranschulen) alle zur gleichen Zeit erbaut worden und ständen seit Jahrhunderten in dieser vollen Pracht da.Aber dem ist nicht so.Anfang des 15.Jhrh. entstand die im Bild linke, in den nächsten 200 Jahren die beiden anderen.Im Laufe der Zeit verfielen sie ein wenig und sahen bis zur Restaurierung in den 1930er Jahren so aus:

Ich bin früh dran und die Touristenschar hält sich in Grenzen.Ueberhaupt ist Samarkand wohltuend anders als die beiden vorherigen Städte.Die Sehenswürdigkeiten verteilen sich inmitten der Stadt und auch die ( wenigen) Souvenierstände sind dezent in den Seitennischen der Gebäude untergebracht.Sie machen auch einen hochwertigeren Eindruck als der alles erschlagende Touristenkitsch in Buchara und Xiva.Hier gibt es Handwerksschulen und man kann bei der Entstehung der Arbeiten zusehen.

Zu sehen gibt’s wie immer einiges:

Ich schlendere weiter Richtung Timur Amir Mausoleum. Der usbekische Nationalheld, auch Tamerlan genannt, liegt hier begraben. Der Touristenandrang ist etwas stärker geworden, ich verschiebe eine Besichtigung auf morgen. Wie beim Registan wird von Nichtusbeken auch hier der sechsfache Eintrittspreis verlangt ( 5 €), immer noch sehr wenig im Vergleich zu westlichen Sehenswürdigkeiten. Unweit des Mausoleums steht eine Statue des Herrschers, der auch in Taschkent als Reiterdenkmal verewigt ist.

Samarkant ist eine moderne,verkehrsreiche Stadt mit erstaunlich vielen kleine Grünanlagen, die Schatten spenden und Sitzbänke zum Entspannen bieten.In einem der Parks steht die Statue Islom Karimows, des ersten Präsidenten des unabhängigen Usbekistans.Am frühen Nachmittag kaufe ich mir noch ein ofenfrisches Fladenbrot und spaziere zurück in die Altstadt zum Hotel.

Mit Einbruch der Dunkelheit gehe ich noch mal rüber zum Registan. Es ist sehr stimmungsvoll und es sind eine Menge Leuten da. Ich kaufe mir ein Eis und setze mich auf die Stufen des Vorplatzes. Im Laufe der Weltgeschichte sind hier viele durchmarschiert, von Alexander dem Großen über Dschingis Khan bis zu den Sowjets. Immer haben sie Krieg und Zerstörung mitgebracht. Während ich so sinniere, kackt mir ein Vogel aufs Handy. Ich beende meine Gedanken über die Geschichte, reinige mein Handy, esse mein Eis fertig und marschiere zum Hotel zurück.

4 Kommentare zu „Samarkand

  1. Interessanter Bericht! Haha, das „Profi“ Modell war wirklich ein Profi–wow! Die Architektur der Koranschulen gefällt mir gut. Dein Bus sah sehr schnittig und zuverlässig aus, zum Glück! Du holst wirklich alles heraus, was diese Reise zu bieten hat.

    Like

  2. Sehr stimmungsvolle Bilder. Schön! Die Dame im langen Gewand ist wirklich ein Hingucker. So einen tollen Bus hätten wir auch gerne in Indien für die 17stündige Überlandfahrt gehabt.

    Weiterhin noch viele schöne Erlebnisse und keine Probleme. Essenstechnisch geht es dir richtig gut.

    Like

  3. Moin lieber Bernhard,

    durch deine Berichte und Fotos bekomme ich einen sehr guten Eindruck vom Land.

    Übrigens: Usbekistan hat sich für die Fußball-WM 2036 bereits qualifiziert.

    Weiterhin gute Reise!

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu sprague88 Antwort abbrechen