Usbekistan 2025

Vierzig Stufen ins Paradies

Meine heutige Besichtigungstour könnte man als „Friedhofsrunde“ bezeichnen. Nach einem opulenten Frühstück geht es entlang der Flaniermeile Richtung Afrosyob, dem ehemaligen Samarkand, vorbei an der gigantischen Bibixonim- Moschee, der größten der damaligen islamischen Welt.

Der Afrosyob ist ein Hügel, auf dem Amir Timur seinen Palast errichten ließ. Heute ist davon kaum was übrig, Dschingis Khan hat alles platt gemacht. Ich spaziere über den alten und neuen Friedhof, von hier hat man wunderbare Ausblicke auf das später in der Ebene erbaute Samarkand.

Die Friedhöfe sind riesig, auf dem neuen sind die meisten Grabsteine mit Porträts verziert.

Die Verwandtschaft Timurs, seine Generäle und Lehrer sind im Shohizinda-Komplex bestattet, eine riesige Mausoleumsstadt.

Vom Eingang führen 40 Stufen hoch zu den Mausoleen. Der Besucher soll sie beim Auf- und Abstiegt zählen, dann ist seine Seele gereinigt. Die früheren Usbeken müssen ziemlich gelenkig gewesen sein, denn die Stufen sind recht hoch und ich komme leicht ins Schnaufen.

40 Stufen ins Paradies

Der Überlieferung nach wurde hier ein Weggefährte Mohammeds beim Gebet von Zarathustras Anhängern enthauptet. Da ein Moslem niemals sein Gebet unterbrechen darf, nahm er seinen Kopf untern Arm und sitzt seitdem betend und fastend in einer Höhle. Tatsächlich befindet sich sein später errichtetes Mausoleum inmitten des Komplexes.

Es ist ziemlich viel los hier, ich setze mich auf eine Bank und schaue dem Treiben zu. Für pensionierte Geschichtslehrer mag das hier tatsächlich das Paradies sein, so viel gibt es hier zu besichtigen. Ich beobachte den Unterschied der Kulturen: Die Westler fotografieren die reich verzierten Bauwerke und gelegentlich sich selbst in möglichst natürlicher Pose, die Chinesen knipsen ihre Frauen nach kurzem prüfenden Blick nach einem geeigneten Hintergrund. Dann dirigieren sie sie in verschiedensten Posen, prüfen anschließend das Ergebnis, bevor sich vor der nächsten Fassade das Gleiche wiederholt. Kein Asiate käme auf die absurde Idee, einen Haufen alter Steine ohne Person zu fotografieren. Ich stelle mir vor, auf jedem der Bilder in meinem Blog wäre ich mit drauf zu sehen…

Zurück geht’s über den riesigen Basar, ich wiederstehe der Versuchung, Süßigkeiten zu kaufen und esse lieber eine mit Spinat gefüllte Teigtasche.

Damit ist der “ kulturelle“ Teil meiner Usbekistan Reise beendet. Von den drei Städten hat mir Samarkand am besten gefallen, hier lohnt es sich, länger zu bleiben und in Buchara und Xiva kürzer. Aber das ist meine persönliche Meinung. Eine gewisse Übersättigung an Moscheen etc. stellt sich ein und so denke ich, dass dies die letzten Bilder mit dem Anfangsbuchstaben “  M“ waren:

Moscheen, Mausoleen, Minarette, Märkte, M(T)ouristen.

Morgen früh geht es zu unchristlicher Zeit mit dem Zug nach Boysun, einem Ort in den Bergen des Gissargebirges. Definitiv kein Touristenort und endlich eine andere Landschaft als die bisherige unendliche Weite Usbekistan s.

Ein Kommentar zu „Vierzig Stufen ins Paradies

  1. Das Bild von der Schulklasse fand ich besonders schön. Süß, wie die Mädchen weiße Strümpfe tragen.

    Lustig bzgl. der Fotos mit den Modellen! So hast du dann auch immer schöne Frauen mit hübschen Kleidern und netten Posen für dein Blog:D Werden Männer auch so posiert? Viel Spaß in den Bergen!

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