Neuer Beitrag · Usbekistan 2025

DAS ist Usbekistan!

Glück muss man haben! Ich sitze am Frühstückstisch, als eine ältere Dame auf mich zukommt und sagt, “ du musst Bernhard aus Österreich sein“. Melitta ist Österreicherin und an der Rezeption sagte man ihr, es sei noch einer aus ihrer Heimat hier. Sie spricht Russisch, was sich später noch als sehr vorteilhaft erweisen sollte. Zusammen mit einem jungen taiwanesischen Paar haben sie ein Auto mit Fahrer gemietet, um die Gegend zu erkunden. Ich kann mich anschließen und so machen wir uns auf den Weg. Vicky und Tin sind auch individuell unterwegs, Melitta hatte eine zweiwöchige Gruppenreise gebucht und hängt noch zwei weitere Wochen dran. Sie ist in etwa in meinem Alter und sehr reiseerfahren.

Erstes Ziel ist der Red Canyon. Die Straße windet sich die Berge hoch und schlängelt sich dann durch eine langgezogenen enge Schlucht. Das wäre eine Radstrecke! Außer uns ist kaum jemand unterwegs, wir spazieren auf der Straße, der Fahrer sammelt und später ein. Die Schlucht ist sehr beeindruckend, vor allem durch das Wechselspiel von Licht und Schatten.

Das nächste Ziel ist eine alte Pilgergrotte mit heiliger Quelle. Hier ist ein bisschen Klettern angesagt. Zum Ausruhen ( für die Pilger) stehen Tschampans bereit, Bettgestelle mit Teppichen ausgelegt. Das ist ein Allzweckmoebelstueck, in Restaurants wird einfach ein niedriges Tischen in die Mitte gestellt, unter das man die Füße schieben kann .

Zurück in Boysun kehren wir in ein Restaurant ein. Es gibt keine Speisekarte, der Einfachheit halber werden wir in die Küche geführt und suchen uns was aus. Es schmeckt prima.

Weiter geht’s. Die Stadt wird im Süden von einer gewaltigen Schlucht umzogen. Wir machen eine Fotostopp, bevor es weiter zu einem Sanatorium aus dem 17.Jhrd geht, das noch heute in Betrieb ist ( natürlich modernisiert). Die Hauptstraße wird gerade ausgebaut und während sich Autos und Lastwagen sich ihren Weg daneben auf einer Schotterpiste suchen, benutzen die zahlreichen Schaf- und Ziegenherden die neue Schnellstraße.

Auf der Weiterfahrt lauern die Geier am Straßenrand. Man kommt sich vor wie im Wilden Westen. Das Sanatorium ist sehr bekannt und der moderne Komplex voll im Betrieb. Wir steigen runter zum alten Teil, dort tropft Heilwasser über Felsen und Grün und wird in Behältern aufgefangen. Ich probiere es, es schmeckt süßlich.

Gegen 17 Uhr sind wir zurück. Vicky und Tin fahren abends mit dem Zug nach Samarkand, ich verabrede mich mit Melitta für morgen zu einer weiteren Exkursion.

Nach dem wie immer ausgezeichneten Frühstück brechen wir auf zur zweiten Tour. Melittas Russisch-Kenntnisse sind äußert hilfreich, sie dolmetscht für mich. Unser heutiges Ziel ist ein Wasserfall, für Usbeken in der Wüstenlandschaft ein Highlight, für uns eher, na ja… Aber allein die Fahrt ist jeden Cent wert. Eine Straße existiert nicht, sie wird gerade neu gebaut. Sand-Geroellpisten mit viel Staub sind für die nächsten Stunden angesagt. Jegliche Verkehrsregeln sind hier aufgehoben. Mehr als einmal bleibt mir fast das Herz stehen, auch wenn unser Fahrer ein Vollprofi ist. Die Landschaft ist grandios, auf und ab über Berge und durch Schluchten, an vereinzelten Dörfern vorbei. Übrigens haben in Usbekistan alle Steigungen 12%,ich habe nie ein anderes Schild gesehen.

Am Ziel, rund um den Wasserfall, ist ein kleiner Basar, in der Nähe ist ein Luxushotel in die Wand gebaut, was hierhin passt wie die Faust aufs Auge. Der Wasserfall selbst ist eher bescheiden.

Auf dem Rückweg passieren wir einen größeren Ort, es ist Viehmarkt und der Teufel los. Außerdem ist es heiß, von wegen kühle Berge. Wir essen Schaschlik mit Salat und dem üblichen Fladenbrot. Die tadschikische Grenze ist nicht weit entfernt. Die Fahrt zieht sich und beinahe wäre es doch zu einem Unfall gekommen. An einer Engstelle am Hang kommt von oben ein Lastwagen. Wir fahren aufeinander zu keiner gibt nach. Dann bremst bremst der Lkw doch noch und kommt auf uns zu. An der Stoßstange unseres Autos steht er dann endlich.Stillstand.Das der Laster unmöglich rückwärts den Berg hochfahren kann, sieht schließlich auch unser Fahrer ein und so beginnt das Rangieren. Es ist kein Millimeter Luft zwischen den Fahrzeugen, als der Lkw vorbeifährt. In der Folgezeit hat unser Fahrer es eilig, heimzukommen. Für uns unmögliche Überholmanöver sind hier an der Tagesordnung. Außerdem benutzt jeder jede mögliche Fahrspur, um so den gröbsten Schlaglöchern auszuweichen. Die Autos hier müssen ganz schön was aushalten. Ziemlich gerädert kommen wir in Boysun an und spazieren noch durch den Ort, um uns nach dem langen Sitzen die Beine zu vertreten. Schliesslich verabschiede ich mich von Melissa, sie fährt morgen früh weiter nach Süden, während ich noch zwei weitere Tage zum Faulenzen in Boysun habe.

Wohl wahr

7 Kommentare zu „DAS ist Usbekistan!

  1. O je, die uzbekistanischen Autofahrten wären nichts für mich. Du bist schon mutig, Bernhard! Hoffentlich musst du keine weiteren Touren mit dem Auto ablegen und kommst bald heil nach Hause!!

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  2. Schön, dass du das Abenteuer überlebt hast! Aber der Nervenkitzel gibt Stoff für viele Geschichten. In den meisten Fällen geht es ja gut. Sehr schöne Ausflüge hast du gemacht – was für ein Glück, auf solch eine fähige Touristin zu treffen.

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